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Titul
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Einleitung
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Edice
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Anmerkungen
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Literaturverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
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Název:
Böhmen, wie es Johannes Butzbach von 1488-1494 erlebte
Autor:
Preiß, Horst
Rok vydání:
1958
Místo vydání:
München
Počet stran celkem:
119
Počet stran předmluvy plus obsahu:
119
Obsah:
- 1: Titul
- 7: Einleitung
- 19: Edice
- 102: Anmerkungen
- 116: Literaturverzeichnis
- 119: Inhaltsverzeichnis
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Grenze Böhmens vordrang, zurückzuführen ist. Ganz anderer Meinung hin-
sichtlich des Lautwandels ač. ú au ou ist Trávniček"34, der den Vorgang
an Hand von Beispielen der wichtigsten böhmischen und mährischen Dia-
lekte untersucht und den Wandel úau phonetisch erklärt. Die weitere
Entwicklung zu „ou“ ist für Trávniček unzweifelhaft eine heimische phone-
tische Erscheinung, der eine teilweise Assimilation zugrunde liegt: aus „a"
wird ein dem „u“ verwandter Laut, „o". Es mußs noch hinzugefügt werden,
daſ Trávníček die temporale Möglichkeit eines dt. Einflusses keineswegs
bestreitet; für ihn ist allein die Wahrscheinlichkeit eines derart starken
Einflusses der deutschen auf die tschechische Sprache verschwindend gering
und er tritt hierin der Auffassung Beers135 bei.
Da die Diphthongierung nicht von einem Dialekt ausgehend nach und
nach das gesamte Sprachgebiet ergriffen hat, müßste man, um sich Trávničeks
Theorie einer heimischen phonetischen Erscheinung zu verdeutlichen, eine
latente Spannung bezüglich der Aussprache von „ú“ annehmen, die dann
durch ungeklärte Ursache plötzlich in ganz Böhmen ihre Lösung in der
Diphthongierung zu „au“ fand. In der fraglichen Zeit aber, in der der Laut-
wandel im bairischen Dialekt einsetzte, waren die Einflußsmöglichkeiten der
dt. Sprache auf die tschechische in Böhmen im Wachsen begriffen und er-
reichten im 14. Jh. beinahe unvorstellbare Größse — man denke an die
engen kulturellen Beziehungen des Prager Hofes zum Deutschen Reich und
die aufblühenden Städte in allen Teilen des Königreiches! Wenn also solch
eine Spannung bestanden haben sollte, konnte nicht das dte. Bürgertum der
Städte mit seiner Sprache den Anstoß zu jenem Lautwandel im Tschechi-
schen, der sich im etwa gleichen Zeitraum in fast allen Dialekten Böhmens
bemerkbar machte, gegeben haben?
Trávničeks Behauptung, der Wandel sei eine rein tschechische Ange-
legenheit, findet leider keine weitere Erklärung. Einleuchtend scheint seine
Annahme als einer teilweisen Assimilation bezüglich des weiteren Wandels
von „au“ „ou". Das Aufscheinen von schles. dial. „hous“ kann ebenso eigene
dial. Entwicklung wie Beeinflussung vom Č. sein, zumal sich in Nordost-
böhmen ebenfalls dial. „hous“ findet.
Natürlich hat sich im Verlaufe des jahrhundertelangen Beisammenlebens
der beiden Volksteile auch ein Einflußs in umgekehrter Richtung bemerkbar
gemacht und es ist aus naheliegendem Grunde zweckmäßsig, besser von
Wechselbeziehungen, denn von einseitiger Beeinflussung zu sprechen. Leider
ist die Erforschung dieser Wechselbeziehungen nicht immer ohne ein poli-
tisches Ressentiment geblieben, das zuletzt manchen Forscher beider Seiten
ergriff. Es mag daher betont werden, daßs es die historischen Gegebenheiten
jener Zeit sind, die den Schluß nahelegen, der Wandel des ač. ú) au sei
durch den gleichen Wandel im Deutschen ausgelöst worden.
Trotzdem wir in Butzbachs „Sprachprobe“ Belege aus dem ausgehenden
15. Jh. vor uns haben, dürfen wir in den überlieferten Formen weder „au“
noch „ou“ erwarten, denn es handelt sich ja bei dem vorliegenden ač. Text
um Gebete, die trotz der fortschreitenden Entwicklung der Sprache meist
ältere Formen bewahren. So finden wir: wotpuztymi — vodpúštíme = od-
pouštíme, sutgit — súdit = soudit', wzemohutzy — všemohúcí — všemohoucí.
Bei der Form wzemoutzio — všemohúcího = všemohoucího hat Butzbach si-
cherlich beide „h“ überhört, wofür ja die Endung des G. sg. masc. spricht,
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