z 119 stránek
Titul
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Einleitung
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Edice
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Anmerkungen
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Literaturverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
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Název:
Böhmen, wie es Johannes Butzbach von 1488-1494 erlebte
Autor:
Preiß, Horst
Rok vydání:
1958
Místo vydání:
München
Počet stran celkem:
119
Počet stran předmluvy plus obsahu:
119
Obsah:
- 1: Titul
- 7: Einleitung
- 19: Edice
- 102: Anmerkungen
- 116: Literaturverzeichnis
- 119: Inhaltsverzeichnis
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der Markt und das grofe Rathaus sowie die Universität [Karolinum], alle
von Karl IV. [I.] begründet, gewaltig hervorragen. Durch eine steinerne
Brücke mit vierundzwanzig Bogen sind diese beiden Städte verbunden. Die
Teile der großsen Seite trennen Mauern und ein tiefer Graben. Der äußsere
Teil der beiden, in dem die bekannte Kirche der hl. Katharina und Karl
des Großsen liegen, erstreckt sich weit und breit bis zu den Hügeln und heißt
die Neustadt. Auf dem dritten Hügel, [dem Vyšehrad], erstreckt sich eine
Befestigung, in der sich ein berühmtes Kollegium befindet.
Kaр. 7
Einst sagte man dieser Stadt und ihrem Reich höchste Frömmigkeit,
Macht und Größse nach. Wie wir lesen, gab es kein Land in Europa, in dem
so viele und so prächtige Kirchen standen wie in Böhmen: bisweilen hoch
in den Himmel ragende Kirchen, mit Gold und Silber beladene Altäre,
die die Reliquien Heiliger enthielten, mit Perlen übersäte Meßgewänder
und kostbare Geräte. Große, weite Fenster mit Glasmalereien ließen das
Licht nach innen fallen. Aber nicht nur in den Städten, nein, auch in den
Dörfern gab es derartiges zu bewundern!
Das Kloster Aula regia [Königssaal], in dem die Könige bestattet werden,
am Ufer der Moldau gelegen, war von solch einmaliger Pracht. Neben einer
Kirche von wunderbarer Architektur befanden sich ein einzigartiges Dor-
mitorium sowie andere herrlich erbaute Räume für die Brüder, und ein
Kreuzgang, der einen weiten Garten einschloß. An die Wände des Kreuz-
ganges waren das Alte und das Neue Testament von Anfang der Genesis
bis zur Apokalypse in großen, gut lesbaren Buchstaben geschrieben, doch
in welcher Sprache, ob lateinisch oder tschechisch, ist mir nicht gewißs. Man
bedient sich zur Bildung des Volkes doch mehr der Landessprache, wenn
es auch genügend des Lateins Kundige gibt. Damit alle sie verstehen
können, haben sie auch die Heilige Schrift in ihre Sprache [übertragen],
von der sie behaupten, sie sei eine von den zweiundsiebzig Sprachen, die
bei der Zerstörung des Babylonischen Turmes entstanden. Man sagt, daßs
von dort einer namens Böhm in ihr Land gekommen sei und sich da nieder-
gelassen habe. Dem ansässigen Volk habe er die Sprache gebracht und nach
ihm habe man das Land Böhmen genannt. Die Slaven selbst, d.h. die
Wenden, Polen, Litauer und viele andere, leiten ihre Sprachen, die gar
nicht sehr voneinander abweichen, von der tschechischen ab. In der einen
Sprache werden die Silben länger, in der anderen mehr kurz und unbetont
gesprochen. Ahnlich können wir ja auch das Oberdeutsche vom Nieder-
deutschen unterscheiden.
Kаp. 8
Ich habe Dir zur Probe dieses Kauderwelschs das Gebet des Herrn, samt
dem aus dem Evangelium stammenden engelschen Grußs und das apostolische
Glaubensbekenntnis in unseren Lettern aufgeschrieben, die aber im Tsche-
chischen einen anderen Lautwert besitzen als bei uns. Hüte Dich aber beim
Lesen zu lachen! Wir sind das der Ehrfurcht vor der Wahrheit [schuldig],
mag sie uns in dieser oder einer anderen Sprache erscheinen. Beim Beten
wenden sie die flachen Hände zum Himmel und sprechen [die Gebete] ohne
bestimmte Anzahl, also ohne Rosenkranz oder wie wir sagen, ohne Pater
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