z 250 stránek
Titel
I
II
III
IV
Inhlat
V
VI
Einleitung
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Wiclifismus in Böhmen
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Wiclifismus in den Schriften
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Exkurse
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Namen- und Sachregister
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Název:
Hus und Wiclif. Zur Genesis der husitischen Lehre
Autor:
Loserth, Johann
Rok vydání:
1884
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
250
Počet stran předmluvy plus obsahu:
VI+244
Obsah:
- I: Titel
- V: Inhlat
- 1: Einleitung
- 17: Wiclifismus in Böhmen
- 129: Wiclifismus in den Schriften
- 193: Exkurse
- 236: Namen- und Sachregister
Strana 39
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—
So zieht Militsch im Frühlinge 1367 nach Rom. Dort kommt ihm die
Erleuchtung, wie die danielischen Tage zu verstehen seien. Wenn man zu
den 1335 Jahren bei Daniel (XII, 12) — denn das sollen Daniels „Tage“
bedeuten, jene 42 Jahre addiert, die vom Tode Christi bis zur Zerstörung
Jerusalems verflossen sind, gelangt man auf das Jahr 1367: Kein Zweifel,
daß dies das Jahr der Vollendung und darum das Ende nahe ist. Und nun
treffen auch die Anzeichen des Unterganges zu, wie sie das Evangelium
schildert, denn mehr als jemals früher ist die Liebe der Menschen erkaltet.
Er behält sein Geheimnis vorläufig bei sich. Da sich des Papstes Ankunft
verzieht, will er nach Avignon ziehen. Da ruft ihm eine innere Stimme
zu, mit seinen Ansichten nicht zurückzuhalten. In einer Ankündigung,
die er an die Kirchentore von St. Peter heftet, verkündet er die Ankunft
des Antichrist. Klerus und Volk mögen für den Papst und Kaiser beten,
damit sie die hl. Kirche so ordnen, daß das gläubige Volk in Sicherheit
seinem Schöpfer dienen könne. Militsch kam nicht dazu, seine Predigt
zu halten. Die Inquisition erhielt Kenntnis von seinem Vorhaben und
setzte ihn gefangen in das Minoritenkloster Ara Coeli auf dem Kapitol.
Mit der Folter bedroht, wenn er mit seiner Meinung zurückhalte, schrieb
er den Libellus de Antichristo im Gefängnis nieder. Von einer durch-
greifenden Reform der Kirche ist da keine Rede. Dabei unterwirft er sich
und sein Büchlein ganz dem Urteil des Papstes, denn „diesem allein sei
gegeben, Geist und Schrift zu prüfen". Er erwies sich sonach von guter Ge-
sinnung und wurde denn auch nach der Ankunft des Papstes (Oktober 16)
aus der Haft entlassen, ja, er gewann sogar das Wohlwollen des Kardinals
von Albano, Ange Grimauds, Bruders des Papstes. Vor seiner Abreise
von Rom überreichte er aber doch noch dem Papst ein Schreiben, voll von
Klagen über die schweren Gebrechen in der Kirche. Zu ihrer Heilung tue
ein allgemeines Konzil not. Gute Prediger müssen ausgesandt werden,
um das Volk zu belehren. Auf seine Antichriststudien kam er nicht mehr
zurück. Hatten sie ihn doch schon, ehe er nach Rom ging, in schwierige
Lagen versetzt. Wie Matthias von Janow berichtet1), ließ er sich einst in
einer Predigt—sie handelte wohl wieder von der Ankunft des Antichrist —
von seinem Eifer so sehr hinreißen, daß er vor der versammelten Menge,
mit dem Finger auf den Kaiser Karl hinweisend, in die Worte ausbrach:
„Das ist der große Antichrist“, wofür er eine Zeitlang hinter Schloß und
Riegel büßte.
Heimgekehrt wird er von seiner Gemeinde mit Jubel begrüßt, zum
Arger der Bettelmönche, die von ihren Kanzeln herab schon triumphierend
gemeldet hatten, Militsch würde verbrannt werden. Mit noch größerem
Eifer als vordem wirkte er als Prediger und Lehrer des Volkes. Noch ein-
mal, man weiß nicht, aus welchem Motiv, zog er nach Rom. Noch ehe er
1) Narratio de Milicio, cap. 7.