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Titel - MVGDB
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Název:
Studien zur Musikgeschichte Böhmens, MVGDB 39
Autor:
Batka, Richard
Rok vydání:
1901
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
14
Obsah:
- 275: Titel Studien
- 288: Titel - MVGDB
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bestände wird auch in dieser Hinsicht die wünschenswerthe Auftlärung
bringen.
Inwieweit die böhmische Kunst- d. h. Kirchenmusik damals noch
unter deutschem Einfluß steht, läßt sich nur ganz im Allgemeinen fest-
stellen oder vermuthen. Im böhmischen Elerus bildeten die Deutschen
einen nicht nur der Zahl nach ansehnlichen, sondern auch vor allem den
maßgebenden Bruchtheil. Thietmar, Thidagg, Eckhard waren deutsche
Bischöfe; erst 1068 wirft der einheimische Clerus bei der Besetzung des
Hirtenstuhles die nationale Frage auf, doch haben auch noch im 12. Jahr-
hundert deutsche Bischöfe: Hermann, Meinhart, Gotthart, Friedrich und
Valentin in Prag refidirt. Die meisten Klöster in Böhmen waren von
deutschen Mönchen gegründet. Niederaltaich, das schon dem Kloster Ostrow
den ersten Abt gegeben hatte, gründete Rinchnach; schwäbische Mönche
aus Zweifalten siedelten sich in Kladrau an; Steinfeld am Rhein besetzte
Strahow, Leitomischl und Selau, und anch die Nonnenklöster Doxan,
Launiowitz, Chotieschau waren deutsche Colonien. Vom Cistercienserstifte
Waldsassen ist Sedletz und Ossegg gegründet worden; Eberbach entsandte
seine Colonen nach Pomuk; Langheim die seinigen uach Plaß, und die
meisten behalten auch nach der allmälig erfolgten Mischung der Natio--
nalitäten im 13. Jahrhundert noch immer ihre deutschen Aebte.1) Dieie
Mönche, die ihre neuen Klosters und Kirchenbauten so treu nach dem
Muster ihrer Stammklöster und Kirchen zu errichten pflegten, haben aus
Deutschland auch ihre Ritual und Gesangbücher, die den ausziehenden
Colonen nach dem Ordensbrauche mitgegeben werden mußten,2) und die
Traditionen ihres liturgischen Gesanges ins Land gebracht. Daß die Kirchen-
musik von der Mainzer Erzdiöcese her überwacht und beeinflußt wurde,
dafür bürgen uns, wenn es sich nicht von selbst verstünde, die aus
Deutschland stammenden bezüglichen Canones des Prager Homiliars und
die Reorganisation des Domcapitels und der Domschule durch den
deutschen Probst Marcus. Dafür spricht aber auch der Umstand, daß die
Pflege der Musik, trotzdem so manche Geistliche ihre Ausbildung in
Frankreich erhielten,3) völlig mit ihrem Stande in den benachbarten
deutschen Ländern übereinstimmt, daß wir von den französischen Künsten
der Mehrstimmigkeit, vom Organum und Discantiren in Böhmen
nicht die geringste Spur zu finden vermögen, daß auch die das westliche
1) Vgl. Wolkan, Geschichte der deutschen Literatur in Böhmen bis zum Ansgang:
des 16. Jahrh. (Prag 1894.) S. 2f.
2) Neuwirth a. a. O. S. 439.
3) Tadra, Kulturní styky Čech s cizinou. Prag 1897. S. 243 ff.