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Titel - MVGDB
288
Název:
Studien zur Musikgeschichte Böhmens, MVGDB 39
Autor:
Batka, Richard
Rok vydání:
1901
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
14
Obsah:
- 275: Titel Studien
- 288: Titel - MVGDB
Strana 275
275
—
Studien zur Ausikgeschichte Böhmens.
Von
Dr. R. Batka.
3. Vom Herzog bis zum König Wenzel.
Erwies die Ueberlieferung sich als trügerisch, die das älteste erhaltene
Denkmal der Tonkunst in Böhmen, das „Hospodine pomiluj ny“ schon
im 10. Jahrhundert entstanden sein läßt, und können wir seinen Ursprung
mit Sicherheit nur bis zum Anfange des 13. Jahrhunderts verfolgen,
io erübrigen für die Kenntniß der musikalischen Entwickelung des Landes
in der Zwischenzeit nur kümmerliche, fast zusammenhanglose Nachrichten,
ans denen sich bloß ein lückenhaftes Bild der künstlerischen Verhältnisse
gewinnen läßt.
Sobald Bischof Thietmar seinen Sitz in Prag eingenommen hatte,
dürfte er eine Domschule ins Leben gerufen haben.1) War doch sein
zuständiger Erzbischof, Willigis von Mainz, ein eifriger Förderer des
Unterrichtswesens. In der Willigisschen Schulordnung vom Jahre 976,
der auch der Prager Bischof beigepflichtet hat,2) ist vom Dienst auf dem
Chor als von etwas Selbstverständlichem die Rede, und dem Cantor wird
ausdrücklich die Befugniß eingeräumt, Schüler, „wenn sie den gestrigen
Gesang wiederholen, ohne besondere Bewilligung des Magisters zu
3
züchtigen“.3) Da die Prager Domschule offenbar dem Mainzer Vorbilde
sich anschloß, haben wir Grund zu vermuthen, daß auch an ihr die
Scolaren einem magister puerorum unterstanden und von einem
Cantor mit besonderer Vollmacht im Gesang unterrichtet wurden. Den
Grundstock der Gesänge bildeten die Psalmen, die sie aus den neumirten
Psaltern singen leruten. Als theoretische Wissenschaft gehörte die Musik
zusammen mit der Geometrie, Astronomie und Arithmetik zum sogenannten
Quadrivium; als praktische Wissenschaft zählte sie unter die sieben freien
Künste.
1) Vgl. Ungar, Gedanfen von dem Zustande der Schulen und der lateinischen
Literatur in Böhmen vor Errichtung der hohen Schule zu Prag (Prag 1784).
2) A. a. O. S. 29.
3) In scolis vero, in choro seu in quocumque loco nullus invito Magistro ad
correpetitionem scolarium manum extendat, nisi cantor, dum cantum
hesternum recitant, eos corripiat. Ungar a. a. D. S. 28.
Mittheilungen. 39. Jahrgang. 3. Heft.
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