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Titel Bořivojlegende
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Titel - MVGDB
250
Název:
Die Bořivojlegende, MVGDB 37
Autor:
Spangenberg, Hans
Rok vydání:
1899
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
17
Obsah:
- 234: Titel Bořivojlegende
- 250: Titel - MVGDB
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Kirche so gut wie nichts berichtet, ist der wahre Sachverhalt gänzlich
verdunkelt worden. Die Schicksale des Sazawer Klosters, die Bemühungen
des Herzogs um Einführung der slawischen Liturgie, die angebliche Grün-
dung der Clemenskirchen durch Bořiwoj und manches andere, das Cosmas
als Zeitgenossen wohl bekannt war, verschweigt er aus gutem Grunde;
denn er war Decan der Prager Kirche und daher Parteimann, wie es
z. B. auch die ungünstige, fast gehässige Schilderung Wratislaws deutlich
erkennen läßt. Aus einer Bemerkung aber wird derjenige, der sich die
erregten Parteikämpfe jener Zeit lebhaft zu vergegenwärtigen vermag,
doch manches herauslesen können. Im ersten Buche bemerkt Cosmas:
"Qualiter autem gratia dei semper praeveniente et ubique subse-
quente dux Borivoy adeptus sit sacramentum baptismi, aut quomodo
per eius successores his in partibus de die in diem sancta proces-
serit religio catholicae fidei, vel qui dux quas aut quot primitus
ecclesias credulus erexit ad laudem dei, maluimus praetermittere
quam fastidium legentibus ingerere, quia iam ab aliis scripta le-
gimus: quaedam in privilegio Moraviensis ecclesiae, quaedam in epi-
logo eiusdem terrae atque Boemiae, quaedam in vita vel passione
sanctissimi nostri patroni et martiris Wencezlai.“ 1) Von der frühesten
Entwicklung der christlichen Kirche in Böhmen, den ersten Kirchengrün
dungen, die doch ieden und besonders die Leser des kirchlich so sehr interes¬
sirten zwölften Jahrhunderts lebhaft beschäftigen mußten, erzählt er
nichts, um nicht „Ekel seinen Lesern zu erregen“! Diese Wendung ist
nur aus der Stimmung und Erbitterung erklärlich, welche die Kirchen-
kämpfe jener Zeit binterließen! Als der Chronist sein Geschichtswerk
schrieb, waren sie soeben zu Gunsten der Prager Geistlichkeit beendet.
Cosmas scheute sich, die Leidenschaft von neuem wachzurufen. Zu dem
aber, was den Lesern „Ekel“ erwecken kounte, rechnete er und an erster
Stelle die Erzählung, „qualiter... dux Borivoy adeptus sit sacra-
mentum baptismi“. Hieraus scheint deutlich hervorzugehen, daß auch die
Taufe Bořiwojs, des ersten christlichen Přemysliden, zu den umstrittenen
Fragen gehörte, und daß die zuerst von Cosmas überlieferte Tradition,
Bořiwoj sei vom Slawenapostel Method getauft worden, in eben jener
Zeit entstanden ist. 2) Aus ihr ließen sich sehr reale Ansprüche ableiten.
1) M. G. IX 45. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die von Cosmas genannten
Schriften, wenigstens das Privilegium und der Epilog der mährischen Kirche,
Tendenzschriften oder gar Fälschungen des elften Jahrhunderts waren.
2) Bisher hat man fast allgemein die Augabe des Cosmas über Bořiwojs Taufe
durch Method als gut beglaubigtes Zeugniß verwerthet; vgl. Palacky Geschichte