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Titel St. Veitsdom
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Titel - MVGDB
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Název:
Der vorkarolinische St. Veitsdom in Prag, MVGDB 37
Autor:
Neuwirth, Joseph
Rok vydání:
1899
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
26
Obsah:
- 210: Titel St. Veitsdom
- 235: Titel - MVGDB
Strana 229
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Westlich oder nördlich neben dem Dome erstreckte sich der eben angeführte
Beerdigungsplatz, auf welchem Ludmila, die Schwester Břetislaws II.,
eine für das Lesen der täglichen Seelenmessen bestimmte gewölbte Rund-
kapelle zu Ehren des heil. Thomas hatte errichten lassen.1) Es scheint,
daß dieser Beerdigungsplatz allmählich von den Bauten des Domklosters
ganz umschlossen wurde und die später neu hergerichtete Thomaskapelle
für die Abhaltung der Capitel in Verwendung kam. Ist doch die Weihe
einer Thomaskapelle, die uach der Erwähnung desselben Thomasaltares
„in antiquo capitulo“ nur im Kreuzgange gesucht werden muß,2) für
1228 bei der Prager Domkirche 3) verbürgt. Die einige Jahrzehnte später
erfolgte Errichtung einer Todtenleuchte mitten auf dem vom Domkreuz-
gange umschlossenen Platze 4) spricht auch dafür, die in Rede stehende
Beerdigungsstätte hieher zu verlegen, da ja nur auf einem Beerdigungs-
platze die Aufstellung einer Todtenleuchte ihre volle Berechtigung hat und
ganz erklärlich bleibt.
Die Gemeinschaftlichkeit des Lebens der Domcapitularen nach einer
für alle gleichen Vorschrift fand wie bei den Klöstern ihren baukünstlerischen
Ausdruck in einer streng geschlossenen, an die Hauptkirche anstoßenden
Anlage, welche alle für die Wohnung und andere Bedürfnisse der Capi¬-
tularen erforderlichen Räume enthielt. Sie war auch bei dem vor-
karolinischen Dome in Prag vorhanden und läßt sich in ihren Einzel-
heiten noch ziemlich genan verfolgen.
Dieses Domkloster lag an der Nordseite des Domes 5) und hatte
an der Ostseite einen Ausgang gegen den königlichen Palast zu;6) seine
1) Sieh oben S. 228, Anm. 4; dazu Cosmae chron. a. a. O. S. 147. Ubi
soror eius Ludmila . . supra testudines construxit arcuatam in honore
sancti Thomae apostoli capellam, et constituit, ut cottidie ibi celebraretur
missa pro defunctis.
2) Tomek, Základy III., S. 109 u. 114.
3) Continuat. Cosmae a. a. D. S. 284. XVI Kal. Julii consecrata est
capella sancti Thomae.
4) Ebendaj. S. 300. Hoc anno (1270) turris lapidea erecta est in medic
claustri Pragensis ecclesiae ad lumen ponendum in ea, Gregorio milite
regis et reginae procurante eam in expensis.
5) Das unmittelbare Anschließen an den Dom ist verbürgt durch die Art und
Weise der Erwähnung des Blasiusaltares im Kreuzgange; vergl. Tomek,
Základy, III., S. 104. Altare sancti Blasii in ambitu ecclesiae Pragensis
a sinistris, ubi de ipsa ecclesia itur ad ambitum. — Die Anlage er-
streckte sich bis zu der oberhalb des Hirschgrabens hinlaufenden Burgmauer,
bei deren Einsturz auch der Domkreuzgang und das Refectorium bedroht waren.
6) Continuat. Cosmae a. a. D. S. 322. Induxit .. ad construendam ecclesiam
omnium sanctorum, quae sita est in exitu claustri versus curiam regalem.