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Titel - MVGDB
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Název:
Beiträge zur Wirthschaftsgeschichte der Deutschen in Südböhmen, MVGDB 38
Autor:
Schmidt, Valentin
Rok vydání:
1900
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
47
Obsah:
- 6: Titel Beiträge
- 52: Titel - MVGDB
Strana 40
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—
Der Mälzer (sladek, braseator, braxator) war denn auch meist der
eigentliche Leiter der fürstlichen und größeren städtischen Brauhäuser,
unter ihm stand der Altgeselle (der podstarší, welches tschechische Wort
noch jetzt im deutschen Südböhmen im Gebrauche ist), der mládek
(Junggeselle), dann die Lehrbuben (pachole), daneben wird noch der
pomahač (Helfer), der špělak, der Binder (bednář) genaunt. Die Prager
berechneten (freilich zu hoch!) die Ausgaben für ein Gebrän anßer den
Materialien: dem Meister und pomahač 71/2 Gr., fürs Bräuhaus 4 Gr.,
dem špělak 41/2 Gr., für das den Helfern gegebene Essen 40 böhm. Gr.
Dazu komme noch der Lohn für die Binder und die jährliche Arbeit des
Mälzers und Junggesellen zu 51/2 Schock Gr.1)
Hier sehen wir übrigens neben dem Mälzer bereits einen Braumeister.
Im 15. Jahrh. leiteten aber noch die Mälzer die Ge-
bräue. So schickt (1458—60) die Frau von Rosenberg dem Herrn von
Plankenstein auf seinen und seines Kellners Hans Wunsch einen Mälzer,
„damit Euer Gnaden versorgt sei zu brauen und was dazu gehört“. Sie
(oder ihr Burggraf) entschuldigt sich wegen der langen Zögerung, aber
man habe lange keinen geeigneten bekommen können, sondern nur „ein
ganzen Peham (Böhmen) oder sunst ein alter Mann“, womit ihm nicht
gedient gewesen wäre.2)
Natürlich kounte auch dem geschicktesten Mälzer ein Unglück
passiren. So fing am 29. Juni 1605 in Wittingau im Hause des
Johann Mirotický von Maleschau das Malz in der Dörre zu brennen
an, man dämmte den Brand ein; der unvorsichtige Mälzer suchte aus
Furcht vor Strafe das Weite.3)
In Gratzen hinwieder stieß ein Braujunge den andern beim
Brauen im Rathhause in den Maischbottich, wo er förmlich zerkocht wurde.4)
Die Mälzer betrachteten sich als die einzig zum Bier-
brauen berechtigten. Schon zur Zeit K. Wenzels gab es deshalb in
der Prager Altstadt Anstände zwischen den bräuberechtigten Bürgern, die
daneben auch andere Handwerke betrieben und den Mälzern, die eben
nur mälzten und brauten. Wenzel entschied den Streit zu Gunsten der
1) Winter: Kulturní obraz II 339. Vgl. Lippert: Mitth. d. V. f. G. d. D.
VIII 43 ff. — Die „spilka“ wurde in die „stará“ und „mladá“ unterschieden.
Špilka mladá (Gährkeller), špilka stará (Vorrathskeller). Die tschech. Namen
haben sich bis heute in den südböhmischen Brauhäusern erhalten.
2) Msc. d. Stiftes Hohenfurt 120 f. 3 f.
3) Ž. Petra Voka 211.
4) 1. c. 30 f.