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Titel Beifriede
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Titel - MVGDB
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Název:
Der Beifriede von Brannau im Jahre 1477, MVGDB 37
Autor:
Wintera, Laurenz
Rok vydání:
1899
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
17
Obsah:
- 190: Titel Beifriede
- 206: Titel - MVGDB
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stischen Patriotismus und den eben obwaltenden äußeren Umständen
resultirenden Folgen brachten manches Unglück über Böhmen und dessen
Krouländer. Als Nichtkatholik hatte er besonders den Einfluß der römischen
Curie gegen sich, ein Untstand, der vielfach kritische Lagen über Böhmen
herbeiführen mußte. Eine ganz eigenthümliche Stellung nun erwuchs aus
dem genamnten Mißverhältuisse für das Gebiet, das man „Braunauer
Ländchen“ nennt.
Dieses, ganz nahe an der Grafschaft Glatz und an Nachod gelegen,
war von den Truppen Georgs, dem diese beiden Besitzstände zu eigen
gehörten, sehr scharf bewacht, andererseits sollte und mußte der Gutsherr
dieses Ländchens, das Brannauer Benedictinerstift, dem Papste gehorsam
sein und der königlichen Botmäßigkeit entsagen. Solange nun die äußeren
Verhältnisse halbwegs ruhige blieben, lag es uur an der diplomatischen
Geschicklichkeit der Braunaner Aebte, einen neutralen Mittelweg zu finden;
als aber im J. 1468 die officielle Kriegserklärung des Ungarnkönigs
Matthias erfolgte, der ein Bundesgenosse und Vertreter des Papstes war,
da war für Braunan die Nothwendigkeit gegeben, offen herauszutreten
und Farbe zu bekennen.
Es war für Brannan von großer Wichtigkeit, ob die benachbarten
schlesischen Fürstenthümer für oder gegen Georg gesinnt waren; Schlesien
war unn, ob offen oder insgeheim, gegen den Böhmenkönig. Abt Peter II.
von Braunau (1464—1475) hatte daher, wenn er offen gegen den Utra
quisten auftrat, an den Schlesiern willkommenen Anschluß. Er hätte diesen
Auschluß auch gesucht und behauptet, wenn die Stadt Braunau nicht
hinderlich in den Weg getreten wäre. Noch im J. 1465 ist Abt Peter
mit den Breslauern in gutem Einvernehmen, indem er diese Bürger vor
einem argen Plane des Böhmenkönigs warnt; aber schon zwei Jahre
darauf (1467) beklagen sich die zu Strelin versammelten Fürstenstände
Schlesiens über denselben Braunauer Abt, daß er zu wenig ihre Partri
ergreife und uicht gegen den König Georg austrete. Brannau ward uach¬-
gerade als utraquistisch angesehen; Beweis dessen ein noch erhaltenes
Schriftstück, uämlich die Zuschrijt des Glatzer Hauptmannes Hans von
Warusdorf, worin dieser Michael, dem Propste von Glatz, den Rath
ertheilt, da er von dem eben nach Glatz gekommenen Sohne K. Georgs
ausgewiesen sei, ja nicht uach dem katholischen Breslau, sonderu nach dem
halb befreundeten Braunan zu gehen. Offenbar hielten es hier die Bürger
wegen der Nähe der Besitzungen Georgs mit diesem, der Abt dagegen
wegen seiner katholischen Ueberzeugnng mit den Schlesiern.