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Titel - MVGDB
361
Název:
Zur wirthschaftlichen und staatlichen Entwicklung des Egerlandes I, MVGDB 36
Autor:
Werhold, A.
Rok vydání:
1898
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
34
Obsah:
- 328: Titel Entwicklung
- 361: Titel - MVGDB
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—
Geiste damaliger Zeit. Mit Neuschaffung von weiten Culturlanden,
mit Germanisirung, Christianisirung, Organisirung derselben, gingen immer
geistliche Stiftungen Hand in Hand, schon weil diesen dann ein sehr weseut-
licher Theil der Culturarbeit zufiel, deren Frucht dann allerdings der
Stiftung selbst, oft in ausgedehntester Weise zu Gute kam. Wie die Voh-
burge südlich am Regeuflusse bei Cham das Kloster Reichenbach gestiftet
und mit Theilen ihres Egerlandes ausgestattet hatten, so mag um die
Zeit von 1130, etwa 70 Jahre nach Egers Kundwerden, der Vohburger
Markgraf die Stiftung des Cisterzienserklosters Waldsassen
am Wondrebflusse vollzogen haben, und zwar zu vollster Selbständigkeit
unter Verzicht auf Gerichtsbarkeit und Advocatie. In „proprio fundo"
besagt die Regensburger Bischofsurkunde (aus der Zeit vor 1135). Er
scheukte dazu den Grund und Boden, Culturland wie ausgedehnten Forst-
grund in weitem Umfange nebst mehreren Dörfern als Eigenthum, also
aus seinem Eigenbesitze. Zwölf Dörfer werden dabei als schon bestehend
erwähnt; 6 eigene egerländische Dörfer hatte der Markgraf den Benedic-
tinern zu Reichenbach geschenft. Man erkennt den Umfang des Voh-
burgischen Besitzthums, da sie so viel fortgeben konnten.1)
Die Stiftung Waldsassen wußte durch klugüberlegte und beharrliche
Geltendmachung ihrer speciellen „geistlichen Jnteressen“ so zu prosperiren,
daß sie nach 50 Jahren (unter Barbarossa) schon fast 50 Ortschaften be-
saß. überhaupt die Hälfte des ganzen Egerlandes „aus geistlichem In-
teresse“ sich erwarb und in demselben ein zweiter Breunpuukt des Eger-
lands ueben der Pfalzstadt wurde. Gegen 15 Quadratmeilen (mit 15
eigenen Pfleg-Gerichten darin) besaß sie im I. 1570. Obgleich noch
vom Nachfolger der Vohburge dem Stauffen Friedrich II. 1215 als ur-
sprünglich „in nostro predio gelegen“ bezeichnet, wußte sie sich mit Erlan-
gung ojtmaliger, eine Execution von jeder landesherrlichen Gewalt herbei¬
führender kaiserlicher wie päpstlicher unmittelbarer Schutzbriefe und Pri-
vilegien (Stauffische schon von König Conrad III. 1147, 79, 94; 1214, 15
18, 23) schließlich zu politischer Selbständigkeit als besonderes Reichsglied zu
entwickeln und vermochte. während Eger mit dem übrigen Egerlande endlich als
Pfandobject dem uachbarlichen Böhmen verfiel, selbständig fortzubestehen.
Erfolgt waren beide Stiftungen Reichenbach wie Waldsassen auf un-
1) Daß die Bohburge erst 1130 von Kaiser Lothar für ihre Unterstützung
gegen die Stauffen (außer dem kaiserlichen Dienstgute) als Eigengut die
obigen 12 Dörfer geschenft erhalten und dann gleich an die beiden Klöster
weiter geschenft hätten (H. Gradl, Gesch. d. Egerlandes p. 55), ist eine wenig
wabrscheinsiche Anfstellung.