z 131 stránek
Titel
Ia
Ib
Einleitung
I
II
III
IV
V
VI
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XVII
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Homiliarium
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Index homiliarum et sermonum
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Index locorum, personarum etc.
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Název:
Das Homiliar des Bischofs von Prag, saec. XII
Autor:
Hecht, Ferdinand
Rok vydání:
1863
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
131
Počet stran předmluvy plus obsahu:
XV+91
Obsah:
- Ia: Titel
- I: Einleitung
- 1: Homiliarium
- 87: Index homiliarum et sermonum
- 89: Index locorum, personarum etc.
Strana X
X
IV. „De viciis gule et ebrietate" bis „si ad vomitum sine infirmitate VII dies poeniteat" ist wörtlich aus dem
Poenitentiale Commean’s I. §. 1—7. 10. 11. (Wasserschleben p. 165. sq.) Der folgende, von „Qui fu-
ratur cibum" bis „cum impositione manus episcopi annum integrum cum pane et aqua poeniteat“ ist wörtlich aus
dem Poenit. Commeani I. §. 13 — 38. (Wasserschleben p. 466 sqq.). Auch hier, wo Höfler durch
gesperrten Druck auf den Satz: „Equum non proibent tamen consuctudo non est“ (nemlich comedere)
als eigenthümlich hinweist und der genannte Recensent von Localisirung eines Canons spricht, hat eine ein-
fache wörtliche Aufnahme des fränkischen Originals stattgefunden.
V. De baptismo kommt bei Commean XII. §. 1. 2. Theodor I. 10. §. 1. 2. u. a. vor. Der letzte Satz:
„baptizati a presbytero" etc. ist enthalten im s. g. Poenit. XXXV. Capitolorum c. 32 (Wasserschleben.
pag. 525).
De operibus die dominica steht bei Commean XII. § 3—8. Theodor I. 11. §. 1—3, II. 8. §. 1. 2. 8.
VI. „Si quis cum alio iram" etc. ist aus Commean II. §. 12.
Die (bei Höfler S. XII.) Fol. 241 stehende Instruction für die Priester „Jubendum est ut oracio
dominica" etc. ist wörtlich entnommen den schon angeführten Capitula Hattonis (bei d'Achéry Spicile-
gium Tom. VI., Hartzheim Concilia Germ. II. p. 17 sqq.) capp. 2. 6 — 11. 19. 21.
Aus dem Obigen ergibt sich, dass die Canones, wie sie in unserem Codex stehen, an und für sich
ohne jedwede Bedeutung für die Geschichte der Kirchendisciplin überhaupt sind, weil sie nur Altes wieder-
geben. Gleichwohl behalten sie einmal dadurch eine hohe Bedeutung, dass sie in der Art der Zusammen.
stellung sich nicht an ein bekanntes Muster, so viel man urtheilen kann, anschliessen, sondern aus den
älteren eine neue Zusammenstellung gemacht haben. Hierzu wsr der Prager Bischof unbedingt berechtigt,
gerade so gut als Burchard von Worms, der bekanntlich gleichfalls nur Suffragan der Mainzer Kirche war.
Und insoweit haben wir hier in der That einen Busscanon der Prager Kirche und wohl
den ältesten bekannten vor uns, nicht durch seinen Inhalt, sondern durch seine Form, die Zusam-
menstellung selbst vor anderen ausgezeichnet. Nichts zwingt zur Annahme, dass der Verfasser nur aus Bur-
chard geschöpft habe; vielmehr konnte er nicht alles aus diesem entnehmen, sondern hielt sich zweifelsohne
auch an die in zahlreichen Abschriften zu jener Zeit cursirenden Beichtbücher Cummean's u. s. w.
Fasst man den Inhalt des Canon ins Auge und hält damit zusammen die zahlreichen Stellen der Pre-
digten, deren Gegenstand Lehren der Moral und Dogmatik sind (z. B. fol. 20 a, 31 b, 42, 45, 83, 84, 129
138, 157, 208 u. a.), so bemerkt man gleich, dass der Canon für besondere Zustände gemacht wurde uud
durchaus berechnet ist, um für die Beurtheilung wirklicher Zustände, die praktische Handhabung des Beicht-
und Busswesens zu dienen. Ganz direct wird dies erbracht durch die fol. 45 a stehende Ermahnung
an die Priester, bei Auferlegung der Bussen keine Willkür zu üben, sondern sich an
das Pönitentiale zu halten. Ist nun auch, wie wir sahen, diese Aufforderung aus einem hier nur
recipirten Stücke, so beweist gerade deren Aufnahme in denjenigen Codex, welchem man auch
das Pönitential einverleibte, dass sie unmittelbar zur Befolgung aufgenommen wurde. Und dess-
halb bietet der Codex in der That einen höchst interessanten Beitrag zur Culturgeschichte seiner Zeit.
Zum Schlusse sei noch darauf hingewiesen, dass der Busscanon, die Aufnahme der anderen hervorge-
hobenen Stücke, die Bekanntschaft mit den fränkisch-deutschen Quellen, die beredte Hervorhebung des h.
Emmeran und Martinus und vieles Andere nicht blos auf eine lebhafte Verbindung mit Deutschland hinweist,
sondern auch deutlich erkennen lässt, dass im 11. Jahrhundert die Christianisirung ausschliesslich auf der,
von Deutschland aus gelegten Grundlage sich vollendete, eine Thatsache, welche für alle Folgezeit darin einen
unwiderleglichen Beweis findet, dass jene Einrichtungen, welche spezifisch germanischen Wesens sind und
in Deutschland ausgebildet wurden, auch in Böhmen seit den ersten Zeiten des Christenthums sich finden
und erhalten haben, wie sich ja auch die böhmische Kirchensprache nirgends an den Orient anlehnt.
IProf. Dr. Schulte,