z 180 stránek
Titel
I
II
III
IV
Vorwort
V
VI
Inhaltsverzeichnis
VII
VIII
Einleitung
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Anhang
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Register
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Název:
Der Widerstand Breslaus gegen Georg von Podiebrad
Autor:
Koebner, Richard
Rok vydání:
1916
Místo vydání:
Breslau
Počet stran celkem:
180
Obsah:
- I: Titel
- V: Vorwort
- VII: Inhaltsverzeichnis
- 1: Einleitung
- 146: Anhang
- 171: Register
Strana 8
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Die Schwäche der Nebenländer.
Wir gewinnen ein Verständuis für die Haltung der Stadt nur, wenn
wir sie an der Aufgabe messen, die den Breslanern gestellt war. Es gist
darum zunächst diese Aufgabe näher zu bestimmen.
Wir sagten, daß die Ehre der Stadt den Widerstand forderte. Die
gleiche Forderung galt grundsätzlich uicht minder für die andern Nebenländer,
namentlich für die deutschen. Ihre Verbindung mit dem Königreich Böhmen
hatte bis zur nationalböhmischen Bewegnng uicht mehr bedentet als eine Personal-
union. Nur der König war den Ländern der Krone gemeinsam, sie bildeten
keine Verwaltungseinheit, und zumal hatte das Hauptland feine Gewalt über
die Nebenländer. Dieses Prinzip wurde durch die böhmischen Königswahlen,
die im Zusammenhange der Bewegung einseitig von den böhmischen Stäuden
vollzogen wurden, angetastet. Schon dies war ein empfindlicher Ehrenpuukt.
Es kam hinzu, daß eine fremde Nationalität und ein minderwertiger Glaube
dadurch zu einer Vorrangstellung gelangte. Fürsten, Städte und Länder
Schlesiens und der Lausitz wurden einem Herrenvolke unterstellt, und zwar
einem Volke, das ihnen schon seinen nationalen Stolz und nationalen Haß
bewiesen hatte. Führer dieses Volkes war ein Utraquist, der zwar auf Grund
der Konzilsentscheidung keiner Ketzerei schuldig sein wollte, dessen Glaube aber
doch für keinen Katholiken als der echte Christenglanbe gelten konnte. Die
Erhebung der böhmischen Nation und Georgs von Podiebrad fehrte alle Werte
um, die bis dahin das Staatsrecht der Krone Böhmen aufgebaut hatten.
Wenn anßerhalb Breslaus ein kräjtiger Widerspruch gegen diese Ehr-
verletzung uicht erhoben wurde — abgesehen von einigen kleinen mährischen
Städten — so trug hieran die Enge der Verhältnisse, in denen das politische
Leben sich abspielte, die Hauptschuld. Die kleinen Teilfürsten Schlesiens uud
die dentschen Städte in Schlesien und der Lausitz waren jeder für sich, im Be-
wußtsein der eigenen Schwäche, geneigt, die Verantwortung von sich abzuwälzen.
Zu einem kräftigen Zusammenschluß, zu einer Organisation der zersplitterten
Laudschaften fehlte die Energie: ein einheitliches Gebilde ist ja Schlesien auch
später nur durch mouarchischen Zwang geworden 1). Der laudsässige Adel hegte
in dem Lande, in dem er das meiste selbständige Gewicht hatte und auch
der Zahl nach eine ansehnliche Macht darstellte, im Fürstentum Schweidnitz
Jauer, ausgesprochene Vorliebe für Böhmen. Offenbar zog ihn hier das ge-
bieterische ständische Auftreten des böhmischen Adels an; anch legte er einen
hohen Wert darauf, nicht als Glied Schlesiens, sondern als Vertretung eines
besonderen Landes angesehen zu werden, und er betoute gern in der Zugehörig-
1) Durch Mathias Corvinus. Vgl. Rachfahl, Die Organisation der Gesamtstaats.
verwaltung Schlestens . .. (1894), S. 14 ff.