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Titel
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Vorwort
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Edition
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Název:
Dokumente zur Geschichte des großen abendländischen Schismas (1385-1395)
Autor:
Steinherz, Samuel
Rok vydání:
1932
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
97
Obsah:
- I: Titel
- V: Vorwort
- 1: Edition
Strana 65
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Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Abfassung unseres Stückes
wiederholte Beratungen vorausgegangen sind und Erzbischof Pil-
grim um seine Meinung befragt worden ist. Vielleicht bezieht sich
auf eine solche Beratung das nachfolgende Schreiben1) des Königs
Wenzel an Erzbischof Pilgrim aus Bettlern von 1391 Jänner 3:
„Erwirdiger lieber furste rate und andechtiger, wann wir yeczunt
deiner gegenwartigkeit notlichen wol bedurffen als wir dir ouch
dorumb vormals geschriben haben, davon so begeren wir von deiner
andacht mit ganzem ernste und fleizze das du von stad an an alles
verziehen selber zu uns komen wollest als wir ouch des deiner
andacht unsere gleittesbrief dorumb senden, doran tust du uns
sunderliche libe und beheglichkeit" (mit der Unterfertigung „Per
dominum Heinricum de Duba magistrum curiae, Ffranciscus cano-
nicus Olomucensis“).
Der erste Paragraph unseres Stückes zeigt deutlich, was vor-
hergegangen war: das an König Wenzel ergangene Ersuchen, die
Wahl Clemens' VII. zu prüfen. Ein solches Ersuchen hatte den
Ausgangspunkt für die Verhandlungen von 1386 und 1387 ge-
bildet. Vgl. die Aktenstücke Nr. 7—9. Das letztere beginnt mit
den Worten: „Der pabst von Avion begeret, das in unser herr
der kunig verhör..“ und die Anfangsworte unseres Stückes „War,
das in der verhorung des rechten der pabst von Avion seyn recht
in der mazz nicht weysen mäht..“ scheinen auf den ersten Blick
in engstem Zusammenhang damit zu stehen, d. h. unser Stück
wäre die Antwort auf Nr. 9 und würde auch zur Gruppe der Akten-
stücke von 1386/87 gehören. Aber eine solche Folgerung wird
durch den Inhalt der beiden Stücke als unrichtig erwiesen. In Nr. 9,
§ 7, wird angegeben, daß bereits eine Vereinbarung zwischen Erz-
bischof Pilgrim als päpstlichem Unterhändler und König Wenzel
in betreff der Besetzung von Bistümern zustandegekommen sei,
nämlich, daß die rheinischen Erzbistümer Mainz, Köln und Trier
(mit welchen die geistlichen Kurstimmen verbunden waren) nach
Vorschlag des Königs besetzt werden, „damit daz Römisch reich
hin fur beleibet bey der herschaft ze Luczelburg und bey der kron
ze Behaim"; ebenso sollten die Bistümer in den Ländern des böhmi-
schen Reiches (Böhmen, Mähren, Schlesien) nach Vorschlag des
Königs besetzt werden. Dagegen enthält unser Stück Forderungen
Wenzels, welche weit über die Vereinbarungen von 1386/87 hinaus-
gehen: daß nicht nur die rheinischen Erzbistümer, sondern alle Bis-
tümer im Reiche, die Lehen von dem Reiche haben, „davon der
kunig mag gesterket werden“, vom Papst nach Vorschlag des
Königs besetzt werden und ein solches Zugeständnis soll nicht nur
für König Wenzel, sondern durch besondere Verbriefungen auch
für seine Nachfolger, und zwar bis zum 3. König nach Wenzel
gelten. Ebenso wird in betreff des Königreiches Böhmen mehr ver-
langt: nicht nur die Bistümer, sondern auch alle Prälaturen (Ab-
teien, Propsteien) sollen nach Vorschlag des Königs besetzt werden.
1) Orig. im Wiener Staatsarchiv.
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