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- s. 7: … hat Josef Truhlař für sein Verzeichnis der lateinischen Handschriften der Prager Universitätsbibliothek unseren Band wieder vorgenommen und seinen Inhalt mitgeteilt 5). Seitdem…
- s. 10: … bisher festgestellt werden konnte, nur in der genannten Handschrift der Prager Universitätsbibliothek (VIII. A 19) erhalten. Truhlař hat den Inhalt der Handschrift…
- s. 16: … Italienische, Spanische, Französische, Englische, Nieder- ländische, Deutsche, Schwedische, Čechische. Die Prager Universitätsbibliothek besitzt neun Handschriften des lateinischen Textes. 48) Schon die Frage,…
Název:
Ein Fürstenspiegel Karls IV.
Autor:
Steinherz, Samuel
Rok vydání:
1925
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
66
Počet stran předmluvy plus obsahu:
66
Obsah:
- 1: Titel
- 7: Studie
- 41: Edition
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heber gewesen ist, ist bis jetzt nicht festgestellt worden 11). Aber
es braucht keine weitere Erörterung, daß der angebliche Aussteller,
Wenzel, damals zwei Jahre alt, mit dem Briefe nichts zu tun hat;
und es ist sehr wahrscheinlich, daß der Brief in der Kanzlei Karls IV.
geschrieben ist 12). Könnte es sich nicht bei unseren Schreiben
ebenso verhalten? Könnten nicht auch sie von einem Beamten der
Kanzlei Karls oder Wenzels oder von irgend einem anderen zu
einem uns unbekannten Zwecke geschrieben sein, ohne daß der
Kaiser und sein Sohn davon wußten?
Um diese Frage zu beantworten, werden wir zuerst versuchen,
aus der Uberlieferung unserer Stücke Aufschlüsse zu ge-
winnen. Sie sind, soweit bisher festgestellt werden konnte, nur in
der genannten Handschrift der Prager Universitätsbibliothek (VIII.
A 19) erhalten. Truhlař hat den Inhalt der Handschrift mitgeteilt 13)
es sind außer unseren Schreiben Formulare von Briefen aus der
Zeit Karls IV., die unter dem Namen „Lucifer-Brief“ bekannte
Satire gegen die höhere Geistlichkeit und die römische Kurie,
einzelne Akten zur Geschichte des großen Schismas, ein angebliches
Schreiben des Aristoteles an Alexander den Großen, ein Tractatus
de informatione praedicatoris, das Schachbuch des Jacob von Cessole,
Burchards Beschreibung des Heiligen Landes usw. — also eine bunte
Reihe von Schriften, und wie man schon beim ersten Durchblättern
des Bandes bemerkt, von verschiedenen Händen geschrieben. Man
darf annehmen, daß ein böhmischer Geistlicher im XV. Jahr-
hunderte 14) alle diese einzelnen Schriften in seinem Besitze hatte
und Huber (Regesta imperii VIII, nr. 3958 a) haben den Brief auf die böhmische
Krönung Wenzels bezogen, dagegen Höfler (Mitteilungen des Vereines für Ge-
schichte der Deutschen in Böhmen, 3, 113) auf die Krönung Wenzels zum
römischen König im Jahre 1376, und ihm haben sich Weizsäcker (Deutsche
Reichstagsakten, 1, S. LXXXVI und 125, Note 1) und Lindner (Forschungen
zur deutschen Geschichte, 14, 267, Note 4) angeschlossen. Entscheidend ist
folgende Stelle des Briefes „vestra vero deliberacio me nondum mereri possi-
bilem, cui velud parvulo fascemine trahentes, ne membra obliquentur in
curvum, adhuc nutricum adheret frequencia, cui etiam nosse nedum bene
operari manet incognitum, ad regie dignitatis fastigia sublimastis“. Man konnte
einem Kinde von zwei Jahren die Worte in den Mund legen, es habe noch die
Kinderfrauen um sich, damit seine Beine nicht krumm würden, aber nicht einem
Jüngling von fünfzehn Jahren, welches Alter Wenzel bei der Krönung von 1376
erreicht hatte.
11) Pelzel hält den „Hofkanzler, den die Schreibart verrate“ — das ist
im Jahre 1363 Johann von Neumarkt — für den Verfasser; Palacky drückt sich
unbestimmt aus, er spricht von dem Briefe, den „man“ den neugekrönten
Wenzel an seinen Vater schreiben ließ; Höfler hält den Brief für echt, d. h.
wirklich von Wenzel selbst oder in seinem Auftrage geschrieben. Dagegen sagt
Weizsäcker über den Brief: „das Latein ist gekünstelt, der Text ziemlich ver-
dorben, das Ganze ist nichts anderes als Stilprobe, und nur dadurch wird seine
Abgeschmacktheit entschuldigt“.
12) Wie man aus der Konkordanz-Tabelle in Tadras Ausgabe der „Summa
cancellariae“ (S. XLII zu Nr. LV) sieht, enthält die Mehrzahl der Handschriften
der „Summa“ den Brief.
13) Vgl. Anmerkung 5.
14) Für diese Vermutung sprechen die von Truhlař (a. a. O. zu Fol. 139 b
und 194 b) mitgeteilten Notizen in čechischer Sprache, und der Umstand, daß die
Handschrift im XV. Jahrhunderte der Pfarre in Schweinitz geschenkt worden ist.