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- s. 22: … — 22 des Jahres 1377 begab sich Karl in die Mark Brandenburg und verblieb dort bis in den November 70); in derselben…
- s. 22: … ge- trennt73), und auf diese Zeit, als Karl in der Mark Brandenburg sich aufhielt, beziehen sich unsere Schreiben. Ist dieses Ergebnis zutreffend,…
- s. 23: … die Worte unseres Schreibens. Karl IV. hatte sich in die Mark Brandenburg zurückgezogen und Wenzel wie zur Probe die eigentliche Regierung in…
- s. 26: … im Frühjahr und Sommer 1377, während seines Aufenthaltes in der Mark Brandenburg, sich so gesund und kräftig gefühlt hat? Die Frage läßt…
- s. 37: … die Reichsgeschäfte in Deutschland führte und Karl sich in der Mark Brandenburg aufhielt; Wenzel erbat sich von seinem Vater eine Anweisung, wie…
- s. 39: … gewinnen kann: wie Karl IV. auf die Fahrt in die Mark Brandenburg seine Bücher mitnimmt154), und dann in dem Schlosse zu Tangermünde…
Název:
Ein Fürstenspiegel Karls IV.
Autor:
Steinherz, Samuel
Rok vydání:
1925
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
66
Počet stran předmluvy plus obsahu:
66
Obsah:
- 1: Titel
- 7: Studie
- 41: Edition
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Schriften der gleichen Art, Fürstenspiegel, hat es durch das
ganze Mittelalter gegeben 151), sie sind von Geistlichen geschrieben, die
allein als Gelehrte und als Schriftsteller aufgetreten sind, unsere
Schrift ist die erste, die von einem „Fachmanne“, von einem Fürsten
herrührt. Daß Karl die älteren Fürstenspiegel, z. B. eines Sedulius
Scottus oder Jonas aus dem IX. Jahrhunderte gekannt hätte, ist
so gut wie ausgeschlossen, sie waren längst vergessen. Aber auch
von den Büchern der letzten Zeit, des Thomas von Aquino, Egidius
Romanus und Petrarca 152) läßt sich keine Spur in der Schrift Karls
finden. Sie ist also selbständig, d. h. nach den früher erwähnten
Vorlagen geschrieben — im Jahre 1377, als Karl das 61. Lebensjahr
vollendet hatte. In diesem Alter machte er sich daran, ein Buch zu
schreiben, wie ein König regieren soll. Er wollte ein Idealbild ent-
werfen, dem sein Sohn immer nachstreben sollte. Aber dazu reichten
seine Fähigkeiten doch nicht aus. Er suchte Belehrung in den
Schriften von Cicero, Seneca, Petrarca, aber sie waren stärker als
er, ihre Gedanken und Worte gab er wieder, nicht seine eigenen 153)
Ebenso wie die Selbstbiographie Karls zeigt auch diese Schrift, daß
er als Herrscher größer gewesen ist wie als Schriftsteller. Aber sie
ist zugleich ein Zeugnis seines geistigen Strebens, seiner unermüd-
lichen Arbeit an sich selbst, an der eigenen Bildung. Sie ist ein Be-
weis, daß er bis an sein Lebensende nicht nur mit den großen und
kleinen Fragen der Politik, sondern auch mit den Wissenschaften
sich beschäftigt hat.
Es ist ein hübsches Bild, das man aus unserer Schrift gewinnen
kann: wie Karl IV. auf die Fahrt in die Mark Brandenburg seine
Bücher mitnimmt154), und dann in dem Schlosse zu Tangermünde
sitzt155), vertieft in die Schriften von Cicero und Seneca. Einen
solchen Kaiser hatte man in Deutschland noch nicht gesehen.
151) Für die ältere Zeit, d. h. für die Zeit des Mittelalters bis ins XI. Jahr-
hundert sind alle einschlägigen Schriften in dem erwähnten Werk von Manitius
besprochen.
152) Die Schrift des Egidius hatte Johann von Neumarkt für sich kopieren
lassen („cancellaria Joh. Noviforensis“, herausgegeben von Tadra, Archiv für
österr. Geschichte, 68, 118, Nr. 161). Die Schrift Petrarcas war an Francesco
Carrara gerichtet und ist 1373 verfaßt worden (siehe Fracassetti, Lettere senili
di Fr. Petrarca, 2, 381). Ich zweifle nicht, daß sie 1377 bereits in Böhmen
bekannt war.
153) Es fehlt in unserer Schrift jeder Hinweis, daß ein Fürst die materielle
und geistige Wohlfahrt seiner Untertanen fördern müsse, was doch Karl für
Böhmen im reichsten Maße getan hat, oder daß er für Kirche und Gottesdienst
sorgen müsse, was z. B. Thomas in seinem Buche (De regimine principum, II,
cap. 16) besonders empfohlen hatte, und was Karl ebenfalls im reichsten Maße
in Böhmen durchgeführt hat.
154) Das kann man aus der Art, wie Karl die Schriften von Cicero, Seneca
und Petrarca benützt hat, mit Sicherheit folgern.
155) Dort hat Karl den Sommer und Herbst 1377 bis Anfang November
verbracht.