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Die Junker von Prag
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Titel
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- s. 22: … und 461. 3) Neuwirth, Die Wochenrechnungen und der Betrieb des Prager Dombaues 23 — tigten Steinmetzen eine hervorragende Stellung ein und arbeitete…
- s. 55: … Prag während des 14. Jahrhundertes üblichen Namengebung, die Wochenrechnungen des Prager Dombaues und die Listen der Namen der Prager Malerzeche erweisen das…
Název:
Junker von Prag
Autor:
Neuwirth, Joseph
Rok vydání:
1894
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
78
Obsah:
- 17: Die Junker von Prag
- 84: Urkundlicher Anhang
- 94: Titel
Strana 22
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—
Daher kann der Versuch, diese mit jenen zu identificiren, zu keinem
wissenschaftlich haltbaren Ergebnisse führen. Selbst wenn man Meister
desselben Namens, die in Böhmen gewirkt haben, zur Erklärnng heran-
zieht, läßt sich nicht Alles für zuläfsig erklären. So ist es absolut unstatt-
haft, für die Deutung des „Meister ruger“ auf den Meister Rudger sich
zu beziehen,1) welcher 1322 die Glocke für Beneschau gegossen hat.2) Mag
es auch immerhin wahrscheinlich sein, daß der Glockengießermeister Rudger
in Prag lebte, so bleibt doch bei der quellenmäßigen Unerweisbarkeit
dieses Aufenthaltes die Möglichkeit-nicht ausgeschlossen, daß er ebensogut
in Beneschan oder anderswo in Böhmen seßhaft, ja vielleicht sogar aus
der Fremde berufen war. Gewiß kann aber der Glockengießer Meister
Rudger nicht unter „die Junckhern von prage“ eingereiht werden, die
als Gewährsmänner von zwei Verfassern theoretischer Schriften auf dem
Gebiete der Architektur genannt sind und nach ihrer Hervorhebung als
hochberühmte, sachverständige Fachlente nur Architekten gewesen sein müssen.
Glockenguß und Baukunst erforderten anch im 14. Jahrhuuderte eine
praktisch und theoretisch so verschiedene Ansbildung, daß gar nicht einzu-
sehen ist, wie ein Glockengießer aus dem ersten Viertel dieses Zeitraumes
Kunstanschanungen begründet haben soll, die noch 160 Jahre später für
Banmeister und Theoretiker der Baukunst maßgebend waren. Außerdem
spricht dagegen die Thatsache, daß ja die Knnstanschanungen, welche in
Böhmen um 1322 herrschten, mit jenen der Zeit Karls IV. und Wenzels IV.,
auf welche die Heranbildung tüchtiger, auch anderwärts zu hohem Ansehen
gelangter Banmeister am besten bezogen werden könnte, sich nicht decken.
Uebrigens wäre es auffallend, warum man, wenn Böhmen unter König
Johann in dem Glockengießer Meister Rndger einen Bautheoretiker von
der Bedeutung der „Junckhern von prage“ besefsen hätte und durch den-
selben seine Bauleute heranbilden lassen konnte, gerade in dieser Zeit
Französische Baumeister berief und französischen Anschaunngen folgte.
Darum sollte auch an eine Nennung des Glockengießers Meister Rudger
bei der Deutung der für die Junkerfrage wichtigen Stellen überhaupt
nicht gedacht werden.
Mehr Berechtigung hat der Hinweis anf den Meister Rndger,
welchen die Prager Dombanrechnungen vom 3. October 1372 bis 23. April
1373 erwähnen.3) Derselbe nahm unter den in der Dombauhütte beschäf-
1) Gurlitt, Beiträge a. a. O. Sp. 333.
2) Neuwirth, Geschichte der chriftlichen Kunst in Böhmen bis zum Aussterben
der Přemysliden. Prag 1888. S. 400 und 461.
3) Neuwirth, Die Wochenrechnungen und der Betrieb des Prager Dombaues