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Das überlieferte Material
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Belehnungsbücher
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Název:
Die ältesten Belehnungs- und Lehensgerichtsbücher des Bisthums Olmütz I
Autor:
Lechner, Karl
Rok vydání:
1902
Místo vydání:
Brno
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
192
Obsah:
- Ia: Titel
- I: Das überlieferte Material
- 1: Belehnungsbücher
Strana XIX
XIX
z. B. im Jahre 1411 zu Mürau, wo es heisst: presentibus Jaklicone,
tunc iudice curie electo etc.;1 natürlich nicht zur Zeit, wo Bischof Paul
von Miličin dasselbe regelmässig in Olmütz und Bischof Prothasius es
in Wischau abhalten liess.
Geradeso wie es für die Berathungen des grossen Landrechts in der
ersten Zeit weder in Brünn noch in Olmütz ein besonderes Gebäude gab
und dasselbe in den Rathhäusern der beiden Städte, in Olmütz im Domini-
canerkloster zu St. Michael oder in Brünn in der königlichen Burg
Spielberg sich versammelte,2 so war es auch beim bischöflichen Lehens-
gericht in ältester Zeit, wenn dasselbe in Kremsier tagte, denn es wurde
keineswegs immer in curia episcopali, also im Schlosse, gehalten, sondern gar
oft in andern Häusern, so namentlich in der Propstei oder Dechantei, im Hause
des Lehenshofrichters, das ohne Zweifel ein dem Bisthum gehöriges Ge-
bäude gewesen sein wird, im Hause eines Adeligen, eines Bürgers. Ganz
vereinzelt wurde noch im Jahre 1390 im Hause eines Bürgers das Lehens-
recht abgehalten.3 Wir dürfen vielleicht per analogiam nach der Land-
tafel auch schliessen, dass die Lehenstafel oder die Gerichtsbücher damals
wohl auch nicht im bischöflichen Schlosse, sondern in einem der Thürme
der Maurizkirche aufbewahrt wurden. Wurde das Lehensrecht im Schlosse
gehalten, so findet sich auch da nicht selten noch die nähere Bezeichnung:
in sala superiori domus curie episcopalis in Chremisier, resp. in stuba
maiori etc.
Die nächste Frage ist die nach dem Zeitpunkt der Abhaltung des
Lehensgerichtes innerhalb des Jahres und innerhalb der Woche. Da fällt
nun vor allem auf, dass in den einzelnen Jahren dasselbe nicht gleich oft
gehalten wurde; wir treffen drei, vier, fünf und sieben Gerichtsverhandlungen
in einem Jahre, so z. B. 1353 und 1354 sechs, 1360 sieben; mit dem
Jahre 1393 schliesst der erste Band ab und da sind in diesem Jahre bis
25. Juni schon fünf Lehenstage abgehalten worden.4 Die Vertheilung
innerhalb eines Jahres war eine derartige, dass gewöhnlich um Quatember
ein Lehensgericht tagte; ausserdem kamen in Betracht die Termine. an
denen damals Zins und Abgaben fallig wurden, also Georgi, Jacobi, Wen-
ceslai und Martini. Beachtenswert bleibt auch. dass in vielen Jahren die
eigentliche Ernteperiode gerichtsfrei war. Zum Beweise dessen mögen
nachstehend drei Jahre aus der ältern Zeit der Gerichtsbücher zusammen-
gestellt werden:
1354
1362
4. März.
1360
13. Januar.
21. Januar.
1. Februar.
24. Februar.
10. März.
24. März.
7. April.
26. April.
27. April.
10. Juni.
30. Juni.
1
Lehensgerichtsbuch II, f. 57.
2
Die Landtafel des Markgrafthumes Mähren (Brünn 1856), Einleitung XIV.
3
Lehensgerichtsbuch I, f. 61.
4 Es ist wohl nur ein blosses Versehen, wenn es in der Einleitung zum
13. Bande des Codex dipl. et epist. Moraviae, p. V, heisst: "Das Lehensgericht wurde
anfänglich (bis zum Jahre 1532) jährlich nur einmal gehegt und den Montag nach
Christi Himmelfahrt eröffnet“.
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