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Název:
König Wenzel und der Pfaffenkrieg zu Breslau (Archiv für österreichische Geschichte vol. 37)
Autor:
Grünhagen, Colmar
Rok vydání:
1867
Místo vydání:
Wien
Česká národní bibliografie:
x
Počet stran celkem:
40
Obsah:
- I: Titel
- 231: Titulatio
Strana 245
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sehr glaublich, dass neben Nikolaus, der seinen Antheil selbst einge-
steht 1), Herzog Heinrich, bei dem sich zu dem Gefühle persönlicher
Gereiztheit der Hochmuth des Fürsten gesellte, viel dazu beigetragen
hat. Klug war es in keinem Falle, bei so geringfügiger Veranlassung
die schon oft als unwirksam oder zweischneidig erkannte Waffe des
Bannes anzuwenden, noch dazu in einer Zeit, wo man gleich schlecht
mit dem Papste wie mit dem Kaiser stand, und einen von Beiden
musste man doch schliesslich als Rückhalt gewinnen, wenn, wie
jeder voraussehen konnte, die Breslauer des Interdictes nicht achte-
ten. Und galt es dann, von einem der Beiden den Beistand, den man
von dem guten Willen oder der Gerechtigkeitsliebe nicht erwarten
durfte, zu erkaufen, dann musste das Schweidnitzer Bier Herzog
Ruprechts der theuerste Trank werden, der je auf dem Dome getrun-
ken werden konnte.
Wie es heisst habe der Administrator Bischof Wenzel von Lebus
die Massregeln des Kapitels gegen die Breslauer gebilligt, und viel-
leicht war es gerade diese Nachgiebigkeit, welche die geistlichen
Herren bestimmte, jetzt auch die lange verschobene Wahl vorzunehmen
und eben jenen Wenzel zum Bischof zu postuliren 2), und der König,
aufs neue gereizt durch die abermalige Verschmähung seines Can-
didaten, verbot nun dem Domkapitel, dem Erwählten die Schlösser
und Vesten der Breslauer Kirche zu übergeben. Dieses Verbot kam
nun allerdings zu spät, denn in den Besitz der Schlösser war Bischof
Wenzel rechtlich schon damals gesetzt worden, als er die Administra-
tion überkommen hatte, doch das Wichtigste war der jenem Verbote
zu Grunde liegende Gedanke des Königs, das Wahlrecht des Kapitels.
das er rechtlich nicht anfechten mochte, dadurch factisch unwirk-
sam zu machen, dass er einer ihm missliebigen Persönlichkeit die
weltliche Herrschaft über den der Kirche gehörigen Territorialbesitz
vorenthielt, eine Unterscheidung, welche zurückgriff zu den Princi-
pien, die einst in dem grossen Investiturstreite zwischen Kaiser und
Papst zum Austrag gekommen waren. Hiermit kamen nun Grund-
sätze von der weitreichendsten Bedeutung in den Bereich des Con-
flictes.
1)
2)
Formelbuch 322.
Nikolaus schreibt, die persecutio des Königs sei auf die postulatio gefolgt (Formel-
buch 322).