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Titel
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Název:
Der Bau der Stadtkirche in Brüx von 1517 bis 1532, MVGDB 30
Autor:
Neuwirth, Joseph
Rok vydání:
1892
Místo vydání:
Praha, Wien
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
81
Obsah:
- I: Titel
- 309: Articulus
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Kirchenbauten als praktisch und dem Zeitgeiste zusagend erkannt hatte und
in Brüx dem Geschmacke der Bürger gefallend fand, für die Launer
Kirche. Damit soll der Meister, der ja im Oratorium des Prager Domes,
im Wladislawischen 1) Saale der Prager Burg, in der Kuttenberger Bar-
barakirche und anderwärts sich schon lange als Vertreter einer sehr be
achtenswerthen, selbständigen Richtung glänzend bewährt und in der Wöl-
bungsart den die erzgebirgischen Bauten beherrschenden Zug mit künstle-
rischer Gestaltungskraft hervorgekehrt hatte, durchaus nicht unter die
Nachbeter der eben charakteristrten Bauweise verwiesen, wohl aber als
ein Architekt hingestellt werden, der in seinen Schöpfungen mit der Zeit und
ihren Forderungen ging und letztere durch die auch anderwärts bewährten,
ihm aus eigener Anschauung bekannt gewordenen Mittel befriedigte. Daß
aber Benedict Ried, der unter den im Juli 1518 zu Annaberg versam-
melten Steinmetzen als bedeutendste, hochangesehene Persönlichkeit erscheint
und allein neben das Siegel der „Steinmetzen auf Sant Annaberck“ sein
Privatsiegel setzen durfte,2) sich gerade an den erzgebirgischen und beson-
ders an den Annaberger Bau anlehnte, bildet eine höchst merkwürdige
Illustration zu der Behauptung, daß das Launer Kirchengebäude „in
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höherem Grade als jedes andere ein böhmisch nationales Gepräge besitzt“.
So wenig sich heute der nationale Benesch von Laun länger halten läßt
und so zweifellos der hinter demselben steckende Benedict Ried der Lehr--
meister angesehener auswärtiger Architekten, wie des Wendel Roßkopf in
Görlitz, gewesen ist, wiederholt an der Lösung von Baufragen des heute
sächsischen Gebietes sich persönlich betheiligte und offenbar auf dem Boden
der daselbst auch geltenden Anschauungen stand, ebenso sicher steht, daß
nach den für Brüx und Laun erwiesenen Verhältnissen nicht minder bei
anderen Bauten des nordwestlichen Böhmens nach einem anderen als dem
tschechischen Ursprungscertificate Ausschau gehalten werden muß. Denn
auch in diesen Landstrich wurden Reiser des letzten originellen Zweiges
von dem absterbenden Baume deutscher Gothik 4) durch die Hand deutscher
Meister verpflanzt und in ihrer Entwicklung sorgsam behütet; mit ihnen
1) Gurlitt, Ein Beitrag z. Gesch. d. deutsch. Steinmetzhütten a. a. O. S. 268;
Kunst und Künstler am Vorabend der Reformation, S. 125 und Steche,
Beschreibende Darstellung der älteren Bau= und Kunstdenkmäler d. K. Sachsen,
IV. S. 14 schretben ganz unrichtig „im Wratislawsaale“.
2) Gurlitt, Ein Beitrag z. Gesch. d. deutsch. Steinmetzhütten a. a. O. S. 268;
Kunst und Künstler am Vorabend der Reformation. S. 116.
3) Grueber, Kunst des Mittelalters in Böhmen. IV. S. 58.
4) Dohme, Geschichte der deutschen Baukunst. S. 276 uf.