z 530 stránek
Titul
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Inhaltsübersicht
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Název:
Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Friedrich III. Abt. 1. Hälfte 1 (1440-1441)
Autor:
Herre, Hermann
Rok vydání:
1912
Místo vydání:
Gotha
Počet stran celkem:
530
Obsah:
- Ia: Titul
- Ic: Inhaltsübersicht
- I: Vorbemerkung
- 1: Edice
Strana 305
Einleitung.
305
Bei den Verhandlungen des folgenden Tages1 trat zunächst einer der Sprecher des
Bischofs von Lüttich auf. Er führte aus, daß der Papst, da er über dem Konzil stehe,
auch das Konzil von einem Ort zum andern verlegen könne, wenn ein stichhaltiger Grund,
wie die Griechenunion, dafür vorhanden sei. Nach der Verlegung des Konzils von Basel
5 nach Ferrara habe es in Basel kein Konzil mehr gegeben. Der Bischof von Lüttich
habe Eugen IV. nie die Obödienz entzogen und werde es auch künftig nicht tun. Auch
dem Erzbischof von Köln und dem Römischen König sei die Obödienz gegen Eugen an-
zuraten (vgl. nr. 257 art. 2 und nr. 258 art. 5).
Der nächste Redner, Johannes Tinctoris, empfahl im Namen des Bischofs von Utrecht
10 den Anschlußs an das Baseler Konzil (nr. 257 art. 3).
Darauf trug ein Vertreter der Universität Köln die in unserer nr. 254 mitgeteilte
Denkschrift vor (vgl. nr. 257 art. 4). Die Universität stellte darin drei Leitsätze auf.
Erstens: Laut Dekret des Konstanzer Konzils besitzt das Konzil die oberste Jurisdiktion
auf Erden; jedes Glied der Kirche, auch der Papst, hat ihm zu gehorchen; niemand
15 kann es ohne seine Zustimmung auflösen oder verlegen (art. 1). Zweitens: Die „suspensio
animarum“, d. i. die Weigerung der Fürsten, Befehle oder richterliche Verfügungen des
allgemeinen Konzils oder des apostolischen Stuhles entgegenzunchmen, ist so bald als mög-
lich zurückzuziehen als unvereinbar mit göttlichem, natürlichem und menschlichem Recht,
da kein Zweifel darüber besteht, daß die vom Konzil repräsentierte Kirche die oberste
20 Stelle ist, der man Gehorsam zu leisten hat (art. 2). Drittens: Die Protestation, Appel-
lation und Neutralität der Fürsten haben ihren Ursprung in dem Zweifel, wo sich die
„auctoritas matris ecclesie“ befinde. Die Fürsten, von dem Wunsche beseelt, dem vom
Konstanzer Konzil beseitigten, jetzt wiederum drohenden Schisma vorzubeugen, haben des-
halb auf wiederholten Zusammenkünften nach einem allgemein anerkannten Tribunal ge-
25 sucht, dem die Entscheidung der Streitigkeiten übertragen werden könne. Dieses Tribunal
kann aber nach dem oben mitgeteilten ersten Leitsatz nur die im Konzil versammelte
Kirche sein, also das Baseler Konzil, falls es nicht etwa in rechtmäßtiger Weise von
Basel anderswohin verlegt ist. Demgemäß ist dem Römischen König zu raten, sich mit
den Fürsten auf einem Reichstage oder anderswo zunächst über den letzteren Punkt zu
30 unterrichten. Haben sie dann ermittelt, wo sich das Konzil befindet, so mögen sie ihm
Beistand leisten und die zur Teilnahme an den Konzilien verpflichteten Prälaten zum
Besuch des betreffenden Konzilsortes anhalten (art. 3).
Nach der Universität kamen die Bettelorden zu Wort (nr. 257 art. 5). Ihre Ver-
treter faßten ihre Ansicht ebenfalls in drei Sätzen zusammen (nr. 255). Erstens: Es
35 gibt nur eine katholische und apostolische Kirche und nur einen Römischen Papst und
Statthalter Christi auf Erden; jene wird von den allgemeinen, rechtmäßtig versammelten
und fortgesetzten Konzilien repräsentiert. Zweitens: Als Römischer Papst ist nur der-
jenige anzusehen, der nach den kirchlichen und kanonischen Vorschriften und nach löb-
lichem Herkommen gewählt und erhoben und als Papst anerkannt ist. Drittens: Die
40 Fürsten dürfen einem anerkannten Papst die Obödienz nur dann entziehen, wenn sie sich
überzeugt haben, daß er auf Grund klarer Zeugnisse und aus Gründen, die im gött-
lichen Recht wurzeln, seiner Würde entsetzt ist, und zwar durch eine Stelle, die dazu un-
bestrittene Macht hat.
Als nächste Redner traten zwei Prämonstratenseräbte auf (nr. 257 art. 6). In
45 welchem Sinne sie sich äußerten, ist nicht ganz klar. In dem Bericht des Bettelmönchs
(nr. 257) ist nur gesagt „nobis adheserunt“, was sowohl auf die Universität Köln wie
1
Schneider, Ein unbekanntes Kölner Provinzial-
concil des 15. Jahrhunderts (Römische Quartal-
schrift für christliche Alterthumskunde und für
Deutsche Reichstags-Akten XV.
Kirchengeschichte 1, 373ff.), läßt diese Verhand-
lungen irrtümlich schon am 9. Oktober stattfinden.
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