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- s. 29: … biographischen Daten über Heinrich von Isernia aus dem Formelbuche der Wiener Hofbibliothek N. Cod. 3143, dessen Zusammenstellung er ihm zuschreibt, entlehnt und…
- s. 30: … im Ganzen ge- nommen wie Dolliner nach dem Codex der Wiener Hofbibliothek N. 3143 schildert, nur dass Jireček alles gänzlich erschöpft, was…
- s. 54: … dem schon oben erwähnten Codex N. 3143 der k. k. Wiener Hofbibliothek enthalten. Die Handschrift, welche der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts…
Název:
Die Kanzlei der böhmischen Könige Přemysl Ottokars II. und Wenzels II. und die aus derselben hervorgegangenen Formelbücher
Autor:
Emler, Josef
Rok vydání:
1878
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
63
Obsah:
- 1: Titel
- 3: Edice
Strana 29
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musste, so erscheint die oben ausgesprochene Behauptung, dass der Protonotar Heinrich vor
dem 25. Febr. 1287 todt war, begründet.
Dies sind die sicheren durch Urkunden oder annalistische Aufzeichnungen verbürgten
Daten über Mag. Heinrich, den Protonotar Premysl Ottokars II. Mit ihm werden aber noch
die Namen Mag. Heinricus Italicus und Mag. Heinricus ab Isernia in Verbindung gebracht,
welche schon mehreren ausgezeichneten Geschichtsforschern zu verschiedenen Erörterungen,
namentlich über die Identität dieser Personen mit unserem Protonotar oder untereinander,
Veranlassung gegeben haben. Es handelten bis jetzt über diese Frage mehr oder weniger
ausführlich Dolliner, Palacký, Rockinger, Voigt, Lorenz und Hermenegild Jireček, ohne wie
es mir scheint, ihre Lösung zu Ende gebracht zu haben. 1) Da uns jetzt in den Regesten
*) Dolliner (Codex epist. Primislai Ottocari II, S. I—VIII.) hat die biographischen Daten über Heinrich
von Isernia aus dem Formelbuche der Wiener Hofbibliothek N. Cod. 3143, dessen Zusammenstellung
er ihm zuschreibt, entlehnt und einen Theil der darin enthaltenen wichtigeren Formeln publicirt. Er
hält den Isernier für eine vom Protonotar Mag. Heinrich verschiedene Person, da er annimmt, dass
der erstere bei seiner Ankunft in Prag vom letzteren gastfreundlich aufgenommen wurde. Bei der
weiteren Darstellung der biographischen Verhältnisse des Heinrich von Isernia spricht Dolliner ge-
stützt auf seine Quelle die Meinung aus, dass ihn Ottokar II. im Herbste des Jahres 1273 zu sei-
nem Notar und Diener aufnahm, der später (1276—1278) im Namen seines Gebieters viele Briefe auf-
gesetzt hatte und auch bei Gesandtschaften verwendet wurde. Und da er nach dem J. 1278 spurlos
verschwindet, so glaubt Dolliner, dass Heinrich von Isernia zugleich mit seinem Herrn in der Schlacht
am Marchfelde umkam.
Palacký (Uiber Formelbücher, zunächst in Bezug auf böhm. Geschichte II, S. 54) hält den Hein-
ricus ab Isernia mit dem Heinricus Italicus aus gewissen inneren aus dem Formelbuche des letzteren
geschöpften Gründen für identisch, obgleich er kein besonderes Gewicht darauf legt. Uiber das Ver-
hältniss dieser Namen znm Protonotar Mag. Heinrich hat sich Palacký nicht geäussert. Dasselbe gilt
von Rockinger (Uiber Formelbücher vom 13. bis zum 16. Jahrhunderte. S. 161 und 165), dem ausge-
zeichneten Kenner der Formelbücher, der jedoch über die Identität beider Namen für eine und die-
selbe Person der entgegengesetzten Ansicht zu sein scheint. Voigt (Das urkundliche Formelbuch des
königlichen Notars Heinricus Italicus; Archiv für Kunde öster. Geschichtsquellen XXIX, S. 1—22) hält
sich bei der Darstellung der Lebensverhältnisse des Mag. Heinrich de Isernia an die Zusammenstellung
des Dolliner, fügt jedoch hinzu, dass er ein Geistlicher war, da er Pfarrer in Gors und Domherr in
Prag genanut wird. Den Heinricus Italicus unterscheidet Voigt vom Heinrich dem Isernier und sagt
vom ersteren, dass er im J. 1277 als Protonotar in einer Urkunde vorkommt, im J. 1279 dem neuen
Könige Wenzel II. als Notar fernere Amtstreue schwört, von dem er später für seine Anhänglichkeit
und ausgezeichnete Dienstleistung mehrfach königlich belohnt wird. Trotz der Verleumdungen der
Feinde behauptete sich Heinricus Italicus in seiner Stellung, da er, wie Voigt meint, bis zum J.
1287 königliche Urkunden als „notarius noster“ unterzeichnet. Voigt nimmt weiter an, dass Hein-
ricus Italicus kein Geistlicher, sondern blos Geschäftsmann am königlichen Hofe war. Voigt hat
sich bei seiner Darstellung zumeist nur an die Formelbücher gehalten, deren Datirung und Namen,
wie wir weiter unten sehen werden, sehr unzuverlässig sind; und daher sind seine Zuthaten zu der
biographischen Skizze des Heinricus ab Isernia und seine Darstellung der Lebensverhältnisse des
Heinricus Italicus durchgehends irrig. So ist z. B. Voigts Annahme, dass Heinrich der Isernier Pfarrer
in Gors war und Heinrich der Italiener königlicher Protonotar unrichtig, da wir aus Originalurkunden
wissen, dass eben der Protonotar Heinrich in den Jahren 1274—1278 Pfarrer von Gors war. Auch den
chronologischen Daten fehlt jede feste Grundlage. Auf diese Mängel hat schon Lorenz in seiner Schil-
derung der Kanzlei Ottokars II. hingewiesen; doch ist auch diese nicht ganz (fehlerfrei. Lorenz
(Deutsche Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert I, S. 392—396) hält dafür, dass die Namen Heinricus
de Isernia und Heinricus Italicus zwei verschiedenen Personen angehören, von denen die letztere seit
dem Anfang der siebziger Jahre, sicher seit 1274, in der k. Kanzlei thätig war, rasch zur Würde eines