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Název:
Die Kanzlei der böhmischen Könige Přemysl Ottokars II. und Wenzels II. und die aus derselben hervorgegangenen Formelbücher
Autor:
Emler, Josef
Rok vydání:
1878
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
63
Obsah:
- 1: Titel
- 3: Edice
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waren, desto grösser muss das Interesse sein, wenn wir uns mit den Verhältnissen jener
Personen bekannt machen, die in einer so grossen Monarchie, wie die des Königs Premysl
Ottokars II. war, als unmittelbare Rathgeber des Königs sowol auf die Entwickelung der
inneren Verhältnisse des Reiches als auch auf die Beziehungen desselben zum Auslande einen
hervorragenden Einfluss ausübten. Die Namen der mit der böhmischen Hofkanzlei zur Zeit
Přemysl Ottokars II. in Verbindung stehenden Männer sind : Mag. Dionysius, Wladislaw, Herzog
von Schlesien, und Mag. Peter, Probst von Wyšehrad als Kanzler; Přisnobor, Mag. Wilhelm,
Mag. Arnold, Mag. Ulrich, der eben genannte Wyšehrader Probst Mag. Peter und Mag. Heinrich
als Protonotare oder Notare.
1. Přisnobor. 1) Gleich beim Auftreten des jungen Přemysl als Markgrafen von Mähren
begegnet uns Prisnobor als Hofnotar desselben (27. März 1247). Es scheint, dass er dem
Prinzen vom Vater beigegeben wurde und die kleine Kanzlei desselben selbst leitete. Seine
Stellung zu Přemysl und zu den Kanzleigeschäften war sicher nicht verschieden von der
Stellung der Notare der früheren mährischen Markgrafen, 2) deren Capellane sie auch in der
7) Der Name wird in Urkunden Briznoborius, Prisnaborius, Prisnobor, Prisnoborius, Priznoborius und
Prziznoborius geschrieben.
Eine Organisation der mähr. Hofkanzlei scheint zur Zeit des Markgrafen Wladislaw vorgenommen
worden zu sein; denn vor ihm findet man keine Spur derselben. Unter ihm wurde auch die Verbindung
des mähr. Kanzleramtes mit der Olmützer Probstei bewerkstelligt, und zwar im J. 1207 (Boczek, Cod.
dipl. Mor. II, 39). In dem betreffenden Privilegium der Olmützer Kirche lesen wir darüber: „Sed cum
deceat regiam manum vbique pluere beneficia, prepositure illi cancellariam nostram cum villa, que
vocatur Vherci, ad quam decimus denarius cum decima aratrorum nostrorum spectat et omnium rerum ad
vtilitatem nostram pertinencium, contulimus, interdicentes, ut nullus audeat hoc immutare.“ Aber
obgleich wir dieses Privilegium der Olmützer Kirche durch Papst Innocenz III. (Boczek II, S. 41.) und
später durch Přemysl Ottokar II. und Papst Urban IV. (Reg. II, N. 106 und 356) bestätigt finden, so
ist es doch sehr eigenthümlich, dass die Olmützer Pröbste nie als Leiter der markgräflichen Kanzlei
genannt werden, ja dass sie sich nie des Titels „cancellarius“" bedienen, wie es bei den Wyšehrader
Pröbsten der Fall war, die wenn sie auch in der Hofkanzlei an den Geschäften nicht theilgenommen ha-
ben, doch fast immer zu ihrer Probstwürde auch den Kanzlertitel hinzusetzen. — Unter dem Markgrafen
Wladislaw wird in mährischen Urkunden auch das Amt eines Hofnotars (Protonotars) zum erstenmal
erwähnt. Es ist Apollinaris, der im J. 1203 notarius genannt wird, seit dem J. 1213 baldj als proto-
notarius bald notarius (curie mee protonotarius, notarius aule nostre) die Urkunden datirt und bis zum
Ende der Regierung Wladislaws in diesem Amte fungirt. Apollinaris war auch Capellan des Mark-
grafen. Während seiner Amtswaltung kommt nur zweimal der Capellan des Markgrafen Namens Johann
als Datar vor, und zwar in der Locationsurkunde von Freudenthal und in einem Privilegium der Stadt
Bisenz (Bzenec), die beide in Olmütz um dieselbe Zeit (30. Dec. 1213 nnd 2. Jänner 1214) ausgestellt
sind. Uiber die Kanzlei des Markgrafen Wladislaw II. (1222—1227) haben wir keine Nachrichten;
ebenso aus den ersten vier Jahren der Regierung des Markgrafen Premysl, von dem sich die
erste Urkunde erst vom November 1232 erhalten hat. In dieser wird als Datar der Protonotar Bartho-
lomäus genannt, der in gleicher Eigenschaft nur noch in einer Urkunde vom 5. April 1234 vorkommt,
während mehrere Urkunden, die in die Zwischenzeit fallen, der Notar Hilarius zeichnet. Bartholomäus
war wahrscheinlich Capellan des Markgrafen, Olmützer Domherr und Archidiakon, sodann Custos des
Wyšehrader Capitels, Probst und schliesslich Domdechant der Olmützer Kirche. (Reg. Boh. I, S. 372,
379, 392, 403, 406, 407, 526, 527, 549, 561, 579, 580, 590, 604, 606, 608. Reg. Boh. II, S. 15, 28, 29,
34, 39, 45, 55, 57, 70, 71, 84, 127, 128, 132, 133, 136, 153, 155, 161, 162, 171, 172, 175, 179, 201,
207, 219, 221, 232, 235, 1166, 1167.)
Hilarius kommt in einer für das Kloster Bruck (Luca) am 2. April 1233 ausgestellten Urkunde
1)