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Titul
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Úvod
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Z historie Universitní knihovny
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České iluminované rukopisy
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Vzácná bohemika
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Z osudů knih a knihoven
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Poznámky
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Resumé (rus)
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Summary
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Résumé (fr)
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Zusammenfassung
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Seznam obrazových příloh
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Rejstřík signatur
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Rejstřík jmenný a věcný
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Obsah
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Obrazová příloha
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Název:
Rukopisy a vzácné tisky pražské universitní knihovny
Autor:
Urbánková, Emma
Rok vydání:
1957
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
240
Obsah:
- 3: Titul
- 5: Úvod
- 7: Z historie Universitní knihovny
- 14: České iluminované rukopisy
- 29: Vzácná bohemika
- 52: Z osudů knih a knihoven
- 67: Poznámky
- 69: Resumé (rus)
- 72: Summary
- 75: Résumé (fr)
- 78: Zusammenfassung
- 81: Seznam obrazových příloh
- 87: Rejstřík signatur
- 93: Rejstřík jmenný a věcný
- 113: Obsah
- 117: Obrazová příloha
Strana 79
Das letzte Glied in der Entwicklung der tschechischen illuminierten Handschriften
bilden die Kirchengesangbücher von großem Format, s. g. Graduale, die der ganzen
Bruderschaft der Kirchensänger beim Gesang dienten (No. 92—106) und aus deren
reichen Illustrationen wir das zeitgenössische Leben kennen lernen. In den utraquisti-
schen Gradualen sind auch Lieder von dem tschechischen, in Konstanz auf dem Schei-
terhaufen gestorbenen Reformatoren Mistr Jan Hus. Sie sind oft von einer bildlichen
Darstellung seines Märtyrertodes begleitet. In der Zeit der Gegenreformation wurden
diese Lieder und Bilder häufig beseitigt, so daß nur seltene bis auf unsere Zeit auf-
bewahrt wurden. Als Beispiel kann der tschechische „Kleinseitner Gradual“ vom Jahre
1572 (No. 98) dienen.
Eine weitere bedeutende Gruppe bilden Handschriften tschechischer Herkunft,
die zwar nicht durch ihre Ausstattung hervorragen, aber durch ihren Inhalt die histo-
rische Entwicklung der tschechischen Sprache und des tschechischen Schrifttums
dokumentieren. Die ältesten Denkmäler, nämlich die geistigen Lieder und Gebete,
die seit dem XI. Jahrhundert entstanden und an eine, noch ältere, altslavische Tradition
anknüpften, sind nur in späteren, vom XIV. Jahrhundert stammenden Abschriften,
erhalten. Von ihnen sind die s. g. „Altesten Gebete und Gesänge“, oder „Miličgebete
die wichtigsten (No. 141). Um die Wende des XIII. und XIV. Jahrhunderts entstanden
drei große, in Gedichtform geschriebene Zyklen in tschechischer Sprache: die Alexan-
dreis, ein Zyklus der ältesten Legenden (Bruchteile vom Anfang des XIV. Jahrhunderts,
No. 146), und die älteste tschechische Reimchronik des s. g. Dalimil (No. 147—151),
die zu einer festen Stütze des Volkes in den späteren stürmischen Zeiten geworden ist.
Eine große Bedeutung für die Verbreitung der Bildung in Böhmen hatte die im Jahre
1348 gegründete Prager Universität; in der Universitätsbibliothek finden wir eine
Menge von Handschriften, aus denen wir nicht nur die wissenschaftlichen Strömungen
(No. 166—170), sondern auch das lustige Studentenleben kennen lernen (No. 171—177).
In engem Zusammenhang mit der Universität ist auch die beginnende Reformations-
bewegung, representiert einerseits durch die großen Prediger und Religionsdenker, wie
Mathias aus Janov, Konrad Waldhauser, Milíč aus Kroměříž und Thomas von Štítné
(No. 178 bis 181, 186—191), andererseits durch verschiedene, die zeitgenössischen Unfuge
scharf geisselnde, moralisierende und satirische Schriften (namentlich die Königgrätzer-
handschrift — No. 182).
Die tschechische Reformationsbewegung hat ihren Höhepunkt in M. Jan Hus, dem
Rektor der Prager Universität und dem geliebten Prediger der Bethlehemskapelle,
dessen lateinische und tschechische Schriften in zahlreichen, zeitgenössischen und
späteren Abschriften erhalten sind (No. 197—217). Das wertvollste Stück ist ein Auto-
graph von Hus (No. 197). In der Bibliothek der Universität, die sich schon im Jahre 1417
feierlich zum Symbol der hussitischen Bewegung, dem Kelch, bekannt hatte, finden wir
begreiflich eine große Traktatenliteratur, verfaßt von Zeitgenossen und Nachfolgern des
M. J. Hus zum Zweck der Verteidigung der berühmten, vom Baseler Konzil den Tsche-
chen zugesprochenen und vom Papst Pius II. dann wieder abgerufenen Kompaktaten
(No. 218—241). Weiter sind zahlreiche handschriftliche (lateinische und tschechische
Chroniken No. 242—250) und wichtige juristische, sowie medizinische Schriften zu
erwähnen. Im letzten Viertel des XIV. Jahrhunderts beginnt auch bei uns der Buch-
druck; neben Büchern, die der Unterhaltung dienen sollten (das älteste, in Böhmen
gedruckte Buch ist die Troianische Chronik, No. 263), werden hauptsächlich tsche-
chische biblische und lateinische liturgische Texte gedruckt.
Vom XVI. und XVII. Jahrhundert finden wir in der Universitätsbibliothek zahl-
reiche Handschriften und Drucke der Humanisten, zu denen die, die Universitätsange-
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