z 124 stránek
Titul
I
II
Vorwort
III
IV
Notizen
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
Edice
1
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3
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Privilegien
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Nachträge
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Index
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110
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112
Název:
Rathsherrn und Apothekers Georg Ludwig Chronik von Brünn (1555-1604)
Autor:
Chlumecky, Peter
Rok vydání:
1859
Místo vydání:
Brünn
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
124
Počet stran předmluvy plus obsahu:
XII+112
Obsah:
- I: Titul
- III: Vorwort
- V: Notizen
- 1: Edice
- 6: Privilegien
- 101: Nachträge
- 104: Index
Strana 70
70
1601 Tochter Barbara Hochzeit gehabt, den Mentag zum Kirchgang hat der Stif
vatter Dawid Konrad nit wollen mitgehen, sonder die geschriebene Munkha
gespielt, die leibliche Mutter hat sich mit sambt iren Dirnen in die Stuben
zu dem Rocken gesetzt und der Tochter, der Braut, zu einem Taufhemett
gespunen. 130)
19. Den 5. Augusti ist verschieden Frau Urschula, Herrn Gierzik
Scholzen Hausfrau, ein gewesene Tochter Herrn Lienhart Stiastny, haben
beyeinauder gewonet 42 Wochen, und soll diese die 11 gewesen sein, das
ist mir ein Weiber möerder, in den kuestall mit im! (n. 121.)
20. Den 1. Augusti sind alle drey Nath auf dem Rathhaus beyein-
ander gewest wegen des Municipal zuuerteutschen, aber nit verwilliget wor-
den, das man dasselbige in fremde Land soll schiekhen, den sich einer zu
Prag, Mag. Philip (Fabricius), darumb hat wollen anemen deselbig zuver-
teitschen, Einer hat wollen haben uur eins (ein Exemplar), das es imen
auf dem Rathhaus solte bleiben, der ander hat gewolt es soll ein ieder
eins Exemplar haben, der dritt: man soll es laßen (weil es so lang ist an-
gestanden), verbleiben, ist also nichts daraus worden, wer da Lateinisch ver-
standen hette, hat man keines vertrauen wollen, das tuet der Neyd und die
Vneinigkeyt. 140)
21. Am tag Assumpt. Mariae haben ir H. F. G. Herr Franz von
Dietrichstein, Cardinal, in S. Jacobkirchen gepredigt und des Dr. Paul
Weidners Sohn von Wien sein Erste Meß bey dem hohen Altar gesungen.
139) Das war ein Hochzeitbrauch. Die Mutter spann ein Taufhemdchen für das kituftige
erste Kind ihrer Tochter, die eben Braut war, (uatürlich vorderhand uur einige Fä-
den). Was mit der Phrase „die geschriebene Munka spielen“, gemeint sei, war
nicht zu ergründen. Es muß dies eine durchweg locale Bedeutung gehabt, und nur
zur Zeit Luwigs gegolten haben. Vielleicht soll es heißen „ausweichen“ oder „trotzen,"
„übel nehmen“, ein Vorwand brauchen, um den Kirchgang nicht mitzumachen.
Ein Zeichen, daß die Kenntniß der lateinischen Sprache im Abnehmen begriffen war.
Das Municipal oder das Schöffenbuch ist in lateinischer Sprache verfaßt. Dieses
Buch, das in einem prachtvollen mit Initialen geschmückten handschriftlichen Exemplar
(des XIV. Jahrhundert), in Folio, 152 Blatt. Nr. 1. im Brünner Stadtarchiv auf-
bewahrt wird, enthält eine Sammlung von Urtheilen und Sprüchen der Schöffen von
Brünn, war seit dem XIV. Jahrh. in zahlreichen Abschriften über Böhmen und Mäh¬
ren verbreitet, und galt durch lauge Zeit als Quelle des Municipalrechtes beider
Länder. Diese Sammlung war vor dem XV. Jahrhundert in den Gerichten auch außer
Brünn von praktischer Anwenduug, wurde nachher die Grundlage der Umarbeitung
der Prager Stadtrechte, durch M. Brictius v. Licko (Druck 1536) und P. Ch. Koldin
(Druck 1579), und somit eine Haupiquelle der städtischen Rechtskunde bis 1812. Die
Stadt Brünn kann daher mit Recht stolz sein auf ihr „Municipal.“
Ludwig ist der Ansicht, daß Neid und Mißgunst die Ursache des Antrages auf
Verdeutschung desselben war, weil man denjenigen Rathspersonen, welche lateinisch
verstanden, nicht traute. Der Magister Philipp ist wohl iener Ph. Fabricius, der durch
den Prager Fenstersturz eine historische Person wurde.
149)