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Titul
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I. Waldensia aus Olmütz
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II. Eine Mährische kopie
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III. Quellenanhang
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Quellen- und literaturverzeichnis
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Obrazová příloha
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Název:
Nachrichten über spätmittelalterliche Ketzer aus tschechoslovakischen Archiven und Bibliotheken
Autor:
Werner, Ernst
Rok vydání:
1963
Místo vydání:
Leipzing
Počet stran celkem:
86
Obsah:
- 211: Titul
- 215: I. Waldensia aus Olmütz
- 251: II. Eine Mährische kopie
- 265: III. Quellenanhang
- 282: Quellen- und literaturverzeichnis
- 285: Obrazová příloha
Strana 219
32. An kirchlichen Festtagen darf man heimlich arbeiten
33. Gott freut sich nicht am Trübsal seiner Diener
34. Der Fleischgenuß zur Fastenzeit ist erlaubt
35. Fasten dient ihnen nur zur Vortäuschung von Frömmigkeit
36. Dem AT. ist nicht zu glauben
37. Die Vollkommenen unter ihnen sind arme Wanderprediger, die das N. T. in der Volks-
sprache auslegen und Beichte hören
38. Die Imperfecti ernähren die Meister, unterscheiden sich aber äußerlich nicht von
den Rechtgläubigen, da sie sich an ihren Religionsübungen beteiligen.
Es bedarf keiner gesonderten Begründung, daß diese 39 Artikel kein Exzerpt aus
Peters Traktat sind.
Sie lehnen sich vielmehr eng an die Anti-Waldenserschrift des Pseudo-David von
Augsburg an, aus der die bei Döllinger veröffentlichte Würzburger Hs. die Kapitel 9—25
teilweise verstümmelt bietet.16
Auf die gleiche Tradition stützte sich der Dominikaner Peter von Kladov, der in den
sechziger Jahren des 15. Jh. einen Traktat „De signis haereticorum“ schrieb, in dem
er die Egerer Artikel in 36 Punkten und stark gekürzt wiedergibt. Sie tragen folgende
Uberschrift: „Sequitur error Hussitarum sive Runcariorum, qui et in regno Boemie et
Moraviae (et est pars cum Pauperibus de Lugduno, de quibus Reinherus).“ 17
A. Neumann stellte dieses Exzerpt den Egerer Artikeln gegenüber und kam zu dem
Ergebnis, daß Peter von Kladov nicht diese zur Hand hatte, sondern vielmehr die Würz-
burger Version.
Peter war 1464 in Brünn Lektor, siedelte 1466 als solcher nach Olmütz über und
kehrte 1472 nach Brünn zurück.17a Konkrete Hinweise auf mährische Waldenser fehlen.
Der Anlaß zur Abfassung war also nicht wie in Westböhmen ein Verhör, sondern wohl
mehr ein allgemeines Interesse an häretischen Strömungen, das durch den Sieg des
Husitismus genährt wurde.
Der Verfasser von P hat den Pilichdorfschen Traktat nicht benutzt. Dagegen schrieb
er, genau so wie alle anderen Kopisten, den „Index errorum quibus Waldenses infecti
sunt“ (MB. 25, S. 307�308) aus.
Holinka bezog diesen Index auch auf Peter von Pilichdorf. Seine Verfasserschaft steht
jedoch nicht fest. Die 37 numerierten errores machen eher den Eindruck, als habe sie
ein Inquisitor zusammengestellt, um sich die Verhöre zu erleichtern. Es liegt nahe, an
Peter Zwicker oder Martin von Prag zu denken.17b Demnach bestände die Möglichkeit,
daß P nach 1391 geschrieben wurde.
16 Vgl. W. Preger: Der Traktat des David von Augsburg über die Waldesier. „Abh. der 3. Classe
der königl. bayr. Akad. der Wiss.“, Bd. 14, 2. 1878; Döllinger II, S. 328�330.
17 Ediert bei A. Neumann: České sekty ve století XIV. a XV. Staré Brno 1920, S. 38, 39 (Bei-
lagen).
17а A. Neumann a. a. O., S. 4.
17b A. Armand-Hugon und G. Gonnet führen den Index in ihrer „Bibliografia Valdese“, Torre
Pellice 1953, Nr. 719, S. 66, gleichfalls an und weisen ihn Martin von Prag zu.
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