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Titul
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I. Waldensia aus Olmütz
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II. Eine Mährische kopie
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III. Quellenanhang
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Quellen- und literaturverzeichnis
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Obrazová příloha
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- s. 257: … um Deutsche handelte, die Träger der Ketzerei waren. In der Prager Universitätsbibliothek ist in dem Codex XIII. E. 7., fol. 1787 —…
- s. 266: … die sog. Articuli de Pikardis der Hs. XI. D.8. der Prager Universitätsbibliothek an, die von K. Höfler: „Geschichtsschreiber der hussitischen Bewegung in…
Název:
Nachrichten über spätmittelalterliche Ketzer aus tschechoslovakischen Archiven und Bibliotheken
Autor:
Werner, Ernst
Rok vydání:
1963
Místo vydání:
Leipzing
Počet stran celkem:
86
Obsah:
- 211: Titul
- 215: I. Waldensia aus Olmütz
- 251: II. Eine Mährische kopie
- 265: III. Quellenanhang
- 282: Quellen- und literaturverzeichnis
- 285: Obrazová příloha
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Johann, von denen der letztere nach seiner Konversion dem Dominikanerorden beitrat.22
Sie hatten sich den „willigen Armen“ in Köln angeschlossen und 20 Jahre mit Buß-
übungen zugebracht. Daraufhin erlangten sie die „Geistesfreiheit“, einen Zustand, in
dem sie acht Jahre verharrten. Ihre Freiheit bestand darin, daß sie sich alles, was ihre
Natur verlangte, erlauben durften.
„Est autem perfecta libertas: omnia que oculus videt et concupiscit, hoc manus asse-
quatur.“ Gott und Perfectus sind völlig eins, es besteht zwischen beiden kein Unter-
schied mehr. Deshalb müssen alle die, welche sich dem Willen eines Freigeistes ent-
gegenstellen, getötet werden. Uber ihn aber hat niemand Gewalt, denn er tritt über sein
Menschsein bereits hinaus: „homo debet super se ascendere et seipsum speculari.“ 23
Alle kirchlichen Institutionen und Sakramente waren selbstverständlich für diese
Leute überflüssig und wertlos. Es sind die gleichen Maximen, die wir in Cambrai
beobachten konnten. Ob Johann und Albert in ihrer Heimat Proselyten hatten, geht
aus dem Verhör nicht hervor.
In Südböhmen gab es jedoch ketzerische Begarden, wie aus dem bereits zitierten
Inquisitionsprotokoll vom Jahre 1337 ersichtlich ist. Sie verleugneten die Eucharistie
und meinten, wenn die hl. Jungfrau in hoc seculo lebe, dann wäre sie eine Dirne.24
Weitere Einzelheiten fehlen. Fest steht, daß es sich auch in diesen Fällen um Deutsche
handelte, die Träger der Ketzerei waren.
In der Prager Universitätsbibliothek ist in dem Codex XIII. E. 7., fol. 1787 — 179, ein
Traktat gegen die „Errores beghardorum et beginorum de voluntate paupertate“ über-
liefert, der nach allem, was wir wissen, Martin von Prag zum Verfasser hat. Er wurde
aus Anlaß der Vernehmung eines deutschen Begarden in Gegenwart eines bayrischen
Herzogs, wahrscheinlich Stephans III. (1375�1413) von Ingolstadt, in Cham in der
Oberpfalz aufgesetzt.
H. Haupt, der die Akten in einer verderbten Hs. der Pfarrbibliothek Michelstedt im
Odenwald entdeckte, datiert ihn gegen Ende des 14. oder Anfang des 15. Jh.25
Unter Berücksichtigung der Exzerpte aus der St. Jakobsbibliothek in Brünn sind wir
in der Lage, das Protokoll genau zu fixieren. Die genannte mährische Pfarrbücherei
enthält Auszüge aus verloren gegangenen Inquisitionsschriften Peter Zwickers aus
den Jahren 1399�1404, die sich auf Bayern, Nordungarn und Südmähren beziehen.
Peter standen darnach zur Seite: Martin von Prag, Johann von Damm und der Domini-
kaner Heinrich von Olmütz. 1399 waren Peter und Martin in der Diözese Bamberg tätig.
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22 Zur Chronologie vgl. VI. J. Koudelka: Zur Geschichte der böhmischen Dominikanerprovinz
im Mittelalter, „Arch. Fratr. Praed.“ 25, 1955, S. 88.
Text bei W. Wattenbach: Uber die Sekte der Brüder vom freien Geist. SB. der Königl. Preuß.
Akad. der Wiss. II, Berlin 1887, S. 530-536. Weitere Einzelheiten bei Erbstößer/ Werner,
a. a. O., S. 114-116.
„Item a Bernhardo nec non dicto P ipse audiverit de Beghardis quibusdam, quod, Corpus
Domini, si esset verum corpus, iam esset per sacerdotes consumptum ut sicut unus mons
materialis.
Item dixit se audivisse ab aliis Beghardis, quod si beata virgo Maria in hoc seculo adhuc
fuisset, vix debet fuisse publica mulier forma.“ I. Hlaváček, a. a. O., S. 536.
H. Haupt: Zwei Traktate gegen Beginen und Begarden. „Zschr. f. Kirchengesch.“ 12, 1891,
S. 86. Die Datierung des Traktates S. 88-89.
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