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Titul
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I. Waldensia aus Olmütz
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II. Eine Mährische kopie
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III. Quellenanhang
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Quellen- und literaturverzeichnis
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Obrazová příloha
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- s. 216: … S. 78. W. Wattenbach: Uber Ketzergerichte in Pommern und der Mark Brandenburg, in „SB der Königl. Preuß. Akad. der Wiss.“ I, 1886,…
- s. 226: … macher vertreten. Ahnlich verhielt es sich in Pommern und der Mark Branden- burg: Bauern, Tagelöhner, Weber und Hutmacher bildeten das Gros.32 M. Machovcová…
- s. 284: … 9, 1903. Wattenbach, W.: Über Ketzergerichte in Pommern und der Mark Brandenburg. „Sitzungs- berichte der Königl. Preuß. Akad. der Wiss.“ I, Berlin…
Název:
Nachrichten über spätmittelalterliche Ketzer aus tschechoslovakischen Archiven und Bibliotheken
Autor:
Werner, Ernst
Rok vydání:
1963
Místo vydání:
Leipzing
Počet stran celkem:
86
Obsah:
- 211: Titul
- 215: I. Waldensia aus Olmütz
- 251: II. Eine Mährische kopie
- 265: III. Quellenanhang
- 282: Quellen- und literaturverzeichnis
- 285: Obrazová příloha
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zwölf Männer das Führungsgremium der deutschen Genossenschaft gebildet hätten.29
Davon kann jedoch keine Rede sein. Das Erfurter Protokoll nennt 20 Namen von
magistri und discipuli, unter denen sich ein einziger (Nikolaus von Plauen) aus dem
besprochenen Verzeichnis befindet.3° Sehr oft kommen die Meister aus Gebieten, die
bereis seit über hundert Jahren Ketzerzentren waren, wie etwa Friedrich und Ulrich
von Hardegg, einem an der mährischen Grenze gelegenen Dorfe, das schon 1260 als
Waldensersitz erwähnt wird.31 Der sozialen Schichtung nach handelte es sich um Hand-
werker, wie Schuster, Schneider, Tuchscherer und Müller. Unter den zwölf Predigern
sind auch vier Bauern. In Erfurt sind noch Weber, Wollschläger und Pfennig-
macher vertreten. Ahnlich verhielt es sich in Pommern und der Mark Branden-
burg: Bauern, Tagelöhner, Weber und Hutmacher bildeten das Gros.32 M. Machovcová
sieht aus diesem Grunde im Waldensertum eine Ideologie der städtischen Opposition,
besonders hinsichtlich der Masse der kleinen Handwerker, Krämer, armen Bauern usw.
Deutlich grenze sie sich von der Stadt-Landarmut ab.33 Demnach könnte man das
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20 H. Haupt: Waldensertum und Inquisition, a. a. O., S. 347.
30 Bei Döllinger II, S. 330 f. Das Stück wurde bereits 1886 von H. Haupt in einer Hs. der
Würzburger Universitätsbibliothek (M. ch. f. 51) entdeckt und in seiner Replik: Der wal-
densische Ursprung des Codex Teplensis und der vorlutherischen deutschen Bibeldrucke
gegen die Angriffe von Dr. Franz Jostes vertheidigt, Würzburg, S. 35 f. ediert. Döllinger
scheint diese Tatsache entgangen zu sein, da er sich auf die genannte Arbeit nicht bezieht.
H. Haupt: Deutsch-böhmische Waldenser um 1340, in „Ztschr. f. Kirchengeschichte“ 14,
1894, S. 14.
W. Wattenbach: Ketzergerichte, a. a. O., S. 48. Das schließt natürlich nicht aus, daß auch
Angehörige der herrschenden Klassen ihrer Sekte beitraten. Bereits der Passauer Anonymus
führte Klage, daß sich die Waldenser in edle Familien einschlichen und daß ihre Meister als
Hausierer ihre Lehre in den Burgen der Adeligen verbreiteten.
Unter den Straßburger Winklern um 1400 befand sich Johannes v. Blumenstein, Abkömmling
eines altadeligen Geschlechtes, Magister der freien Künste, Stadtschreiber und Gesandter der
Stadt. Er war von seiner Mutter im waldensischen Sinne erzogen worden. In Bern hingen
den Ketzern Leute vornehmer Geschlechter an, wie eine 1399 durchgeführte Inquisition
ergab.
Ahnlich verhielt es sich in Freiburg im Uechtlande, wo ihnen ein Mitglied des Großen Rates
angehörte.
Diese von H. Haupt herangezogenen Beispiele (Der waldensische Ursprung des Codex
Teplensis, a. a. O., S. 7) sagen jedoch nichts über den Gesamtcharakter der Häresie aus, der
soziologisch eindeutig von den Mittel- und Unterschichten in Stadt und Land bestimmt wurde.
Soweit es sich um volkstümliche Ketzereien handelte, trifft diese Kennzeichnung auch für
andere Sektengruppen zu, wenn auch nicht übersehen werden darf, daß in Westeuropa die
soziale Profilierung der städtischen und bäuerlich-plebejischen Ketzergemeinden weit schärfer
war als etwa im deutschen Sprachgebiet oder im vorhussitischen Böhmen.
Vgl. dazu die wichtigen Ausführungen von A. Sapori: L'età della Rinascita. Secoli XIII bis
XIV. „Università Commerciale, Facoltà dei Economia e Commercio, Istituto di stor. econ."
Milano 1958, S. 445-446.
M. Machovcová/M. Machovec: Utopie blouznivců a sektářů, Prag 1960, S. 99 f. Man darf
hierbei allerdings nicht übersehen, daß das Waldensertum zeitweilig eine rein bäuerliche
Basis erhielt, wie etwa in Böhmen, wo es zur Religion der deutschen Kolonisten wurde.
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