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Titul
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I. Waldensia aus Olmütz
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II. Eine Mährische kopie
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III. Quellenanhang
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Quellen- und literaturverzeichnis
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Obrazová příloha
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Název:
Nachrichten über spätmittelalterliche Ketzer aus tschechoslovakischen Archiven und Bibliotheken
Autor:
Werner, Ernst
Rok vydání:
1963
Místo vydání:
Leipzing
Počet stran celkem:
86
Obsah:
- 211: Titul
- 215: I. Waldensia aus Olmütz
- 251: II. Eine Mährische kopie
- 265: III. Quellenanhang
- 282: Quellen- und literaturverzeichnis
- 285: Obrazová příloha
Strana 258
Die von A. Neumann edierten Bruchstücke weisen eindeutig auf die Aktivität Martins
hin, der sich mit Peter, wie immer, in die Arbeit teilte.
In der Quelle heißt es ausdrücklich:
„A. D. 1399, 16. Maii in domo domini Joannis Nazzach, canonici ecclesiae S. Stephani
Pambergae In praesentia domini Martini inquisitoris...
Am 13. Juni des gleichen Jahres saß er in Nürnberg über Begarden zu Gericht.
„Anno et loco ut supra, die 13. Junii... domini plebani ecclesiae S. Laurencii in
Nürnberg ad praesentiam domini Martini inquisitoris...
In einer weiteren Notiz wird Martin offiziell als Inquisitor für Stadt und Diözese
Bamberg bezeichnet:
„In nomine domini Amen. Nos Martinus altarista in ecclesia beate Marie virginis
ante Letam Curiam Maioris civitatis Pragensis, inquisitor haereticae pravitatis et
reverendissimi in Cristo patribus, domino Alberto et Lamberto, moderno et antiquo
episcopis Pambergiensibus per civitatem et diocesim Pambergensem, anno Domini 1399,
nono mensis Junii in choro S. Petri ecclesiae Pambergensis ...“ 26
Das Verhör von Cham muß in dieselbe Zeit, also Mai oder Juni 1399, gefallen sein,
denn wir hören von den beiden Ketzerrichtern erst 1400 in Straßburg und der Slovakei
wieder. Von einem erneuten Eingreifen in Bayern nach 1400 ist nichts bekannt.27
Ahnlich wie der Kölner Kreis, dem Johann und Albert von Brünn angehörten, gab
es auch bei der süddeutschen Gruppe zwei Grade, einen niederen und einen höheren.
Vollkommene Armut, wandern, betteln, Gehorsams- und Keuschheitsgelübde waren die
Voraussetzungen, daß man den Stand der „Freiheit“ erlangte. Der Vollkommene durfte
seinem Willen freien Lauf lassen, er betete nicht mehr verbaliter, sondern cordialiter,
und es geschah, daß er auf diese Weise das Vaterunser „vergaß“.
Er war durch sein asketisches Leben vom Banne der Sinnlichkeit gelöst und hatte die
Schranken der sittlichen Gesetze übersprungen: "ubi spiritus domini, ibi libertas.“ Bei
der Elevation der Hostie erhob er sich nicht, da er nur noch mit seinem geistigen, nicht
mehr mit dem körperlichen Auge Gott betrachtete.
Diese letzten „Geheimnisse“ der Sekte wurden aber keineswegs allen Mitgliedern,
sondern allein den perfecti enthüllt.
Die Prager Version hat derselbe Kopist geschrieben, der das Waldenserstück kolla-
tionierte. Ihm schien die Uberlieferung wohl nicht ohne Grund wichtig, da es ja auch
in seiner Heimat Begarden und Beginen gab, die die Grenzen der Orthodoxie über-
schritten. Hinzu kommt, daß seit 1353 der nördliche Teil der Oberpfalz zur böhmischen
Krone gehörte.
Karl IV. hatte im Mai 1353 Pfalzgrafen Ruprecht mit 12 000 Schock Prager Groschen
aus sächsischer Gefangenschaft gelöst und sich dafür einige oberpfälzische Burgen ab-
treten lassen. Auf einer Fürstenversammlung zu Hagenau (29. 10. 1353) ließ sich der
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26 A. Neumann: České sekty a. a. O., S. 6 f. (Beilagen.) Zu den Fragmenten der Inquisitions-
akten ders. S. 8.
Zu dem Straßburger Verhör, das Martin leitete, vgl. H. Haupt: Waldensertum und Inqui-
sition a. a. O., Bd. 3, S. 349.
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