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Titul
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I. Waldensia aus Olmütz
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II. Eine Mährische kopie
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III. Quellenanhang
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Quellen- und literaturverzeichnis
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Obrazová příloha
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Název:
Nachrichten über spätmittelalterliche Ketzer aus tschechoslovakischen Archiven und Bibliotheken
Autor:
Werner, Ernst
Rok vydání:
1963
Místo vydání:
Leipzing
Počet stran celkem:
86
Obsah:
- 211: Titul
- 215: I. Waldensia aus Olmütz
- 251: II. Eine Mährische kopie
- 265: III. Quellenanhang
- 282: Quellen- und literaturverzeichnis
- 285: Obrazová příloha
Strana 259
König die oberpfälzischen Lande mit Sulzbach und der hiernach benannten Grafschaft
als erblichen Besitz abtreten.
Am Tage seiner Kaiserkrönung (5. 4. 1355) erklärte er die Neuerwerbungen zum
unveräußerlichen Bestandteil des Königreiches Böhmen. Die Rückeroberung dieser Ge-
biete durch die Wittelsbacher erfolgte erst nach der Absetzung König Wenzels.
In einem Waffenstillstand vom 20. 6. 1401 mußte der Exkönig seinem Nachfolger
Ruprecht III. fast alle oberpfälzischen Burgen, Städte und Ländereien zurückgeben.
Cham selbst war bayrisch geblieben. Es lag im südlichen Teil der Oberpfalz, nord-
östlich von Regensburg.28
Die enge Nachbarschaft Chams zu den ehemaligen böhmischen Besitzungen hat
vielleicht den Schreiber veranlaßt, das Verhör zu kopieren, wenn nicht überhaupt in
seinem Bewußtsein die Stadt als böhmischer Besitz lebte.
Die Prager Hs. ist für uns aber vor allem deshalb von Wert, weil sie die vollständige
und inhaltlich wie grammatikalisch exakte Fassung widergibt, während die Michel-
stedter lückenhaft und voller Fehler ist.
Aus einem tschechischen Studentenlied des 14. Jh., das im Stil der Vagantenpoesie
abgefaßt ist, können wir schließen, daß die Häresie auch unter tschechischen Beginen
Eingang fand und daß sie den gleichen Sätzen huldigten wie ihre deutschen Schwestern.
Sie studierten die hl. Schrift nach eigenem Ermessen, ohne Hilfe der Priester, die sie
verachteten und deren Predigten sie nicht beiwohnten. Wurden sie deshalb getadelt,
dann antworteten sie, sie hätten es nicht nötig, da sie selbst die Testamente häufig
lesen und diese besser verständen als die Kleriker. In Diskussionen vermochten ihnen
weder Magister, Priester noch „Schüler“ zu widerstehen, obwohl doch ihr Redeschwall
wenig Konkretes enthielt. Besonders empört zeigt sich der Verfasser des Pamphlets,
daß sie kein Latein lernten und mit jedermann über religiöse Fragen stritten.29
Zweifellos glaubten sich diese Beginen vom Hl. Geist erleuchtet, ähnlich wie Wilhelm
von Hildernissen, weshalb sie behaupteten, die Schrift besser zu interpretieren als die
Kleriker. Das freigeistige „Gift“ war also auch in laikale und semireligiöse Kreise ein-
gedrungen, ohne allerdings eine Breitenwirkung zu erlangen wie in Deutschland und
Westeuropa. Dessen ungeachtet strahlten diese heterodoxen Elemente selbst in das
revolutionäre Taboritentum aus.
Im Februar/März 1421 schrieb Johannes Příbram den Traktat „Ad occurendum
homini insano", mit dem dieser die taboritische Mehrheit in ihrem Kampf gegen die
pikartische Minderheit theologisch stärken wollte. Sicherlich hatten Johannes und seine
Prager Freunde gemerkt, daß die Taboriten seit September 1420 eine innere Krise
durchmachten. Man glaubte auf diese Weise den rechten Flügel für ein Abkommen mit
Prag gewinnen zu können.
28 S. Riezler: Geschichte Baierns. 3. Band. „Geschichte der europäischen Staaten“, Gotha 1889,
S. 34 f.; 190 f. und Westermanns Atlas zur Weltgeschichte Teil II, Braunschweig 1956,
S. 68/69.
Gedruckt bei M. Machovcová, a. a. O., S. 174 f. Das Gedicht wurde bereits 1862 von
J. Fejfalik angezeigt: Altčechische Leiche, Sprüche und Lieder des 14. und 15. Jh. mit einer
Einleitung und Anmerkungen. „SB. der Kaiserl. Akad. der Wiss., phil. hist. Classe“ Bd. 39,
Wien.
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