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Titul
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Slovo úvodem
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Seznam vyobrazení
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Obsah
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Název:
Iohannis Milicii de Cremsir Tres sermones synodales
Autor:
Mráz, Milan; Herold, Vilém
Rok vydání:
1974
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
162
Počet stran předmluvy plus obsahu:
162
Obsah:
- 1: Titul
- 5: Slovo úvodem
- 7: Úvod
- 25: Ediční zpráva
- 45: Edice
- 153: Seznam vyobrazení
- 162: Obsah
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begann und ein guter Freund Miličs wurde. Milič liess sich von seinem Vorhaben auch durch
das verlockende Angebot des Prager Erzbischofs Ernst von Pardubice nicht abbringen, ihm
bei seinen Reformbestrebungen behilflich zu sein, da er die Unzulänglichkeit und Halbherzig-
keit der so von oben vorgenommenen Verbesserungsversuche wohl erkannte, sondern beharrt
bei seiner ursprünglichen Entscheidung: wie von ihm Matěj (Matthias) von Janov berichtet:
„Er verlässt alles, was er hat, sowohl Amter als auch Einkünfte als auch seine Ehrenstellung
bei der Prager Kirche ... er verlässt die Burgen der Reichen und will lieber erniedrigt sein,
als den Reichtum und den Ruhm der Tochter Pharaons zu haben, er will lieber in den Hütten
der Sünder verbleiben."
Milič wurde so ein unabhängiger Prediger, d. h. ein relativ unabhängiger Kritiker der
damaligen Kirche und Gesellschaft. Voll Uberzeugung versteht er die Bedeutung der Predigt
als Kampfmittel für eine Besserung der gesellschaftlichen Verhältnisse, womit man das Volk
aufrütteln kann, für das er in tschechischer und deutscher Sprache predigt. Alsbald begriffen
seine Feinde die „Gefährlichkeit“ seiner Absichten: jene, gegen die sich die Predigten Miličs
immer offener und konsequenter wandten. Die Kritik Miličs richtete sich in erster Linie
gegen die Verhältnisse in der damaligen Kirche, gegen die Pfarrer mit vielen Pfründen,
gegen die Orden der Bettelmönche, gegen die Simonie und gegen das unsittliche Leben der
Heuchler, deren wahres Antlitz Milič in seinen Predigten meisterhaft enthüllte. Matěj von
Janov erwähnt, Milič „habe unablässig und unermüdlich kämpfen und sich mit vielen falschen
Propheten, Mönchen und Priestern, auch mit Gesetzeskundigen und Klerikern herumschlagen
und habe fast täglich einen Kampf auf Leben und Tod ausfechten müssen.“ Milič hörte bis
zu seinem Tode trotz der Angriffe, einer Feinde nicht auf so zu predigen, und seine Predigten
fanden immer breitere Aufnahme.
Er trug seine Kritiken nicht nur vor dem gemeinen Volk vor, dem er am allerliebsten
predigte und wo seine Predigten begeisterte Aufnahme fanden (neben Prag predigt er auch
in anderen böhmischen und mährischen Städten), er schleuderte sie sogar auch jenen ins
Gesicht, für die sie bestimmt waren, und zwar nicht nur in Prag, sondern auch im päpstlichen
Rom. Matěj von Janov schreibt darüber in seiner Narracio de Milicio: „Er rügte mannhaft
die höchsten kirchlichen Würdenträger, Erzbischöfe und Bischöfe, für ihre Verfehlungen,
er wagte sich in seinem Eifer, gleichsam als ware er gepanzert, sogar an den früher erwähnten
Kaiser heran (d. h. an Karl IV.) und an ihn herantretend und mit dem Finger auf ihn weisend
sagte er vor allen, dieser sei der wahre Antichrist, weswegen er längere Zeit gefangengehalten
und eingekerkert wurde. Er war es auch, der in Rom den Bischöfen und kirchlichen Wür-
denträgern ohne Ausnahme predigte, der Antichrist sei schon gekommen und sie selbst seien
Glieder des Antichrists, da sie gegen Jesus Christus handeln; dafür habe er wiederum zum
zweiten Mal von den Antichristen Gefängnis und Fesseln ertragen müssen. Schliesslich trat
er vor den Papst und seine Kardinäle hin und kündete ihnen ebenso mannhaft...
Die Uberzeugung Miličs von der Ankunft des realen Antichrists, wie sie später bei Hus und
im ganzen Hussitentum so lebendig war (Hus nennt im Juni 1412 den Papst direkt den An-
tichrist), hing eng zusammen mit der Vorstellung vom Ende der Welt, das nicht lange auf
sich warten lasse. Milič schreibt im römischen Gefängnis zugleich mit dem Buch über den
Antichrist (Libellus de Antichristo) auch seinen Sermo de die novissimo. Die Vorstellung vom
Antichrist und die chiliastische Vision vom Ende der Welten, nach dem erst die Herrschaft
der Gerechtigkeit eintreten werde, beinhaltet im zeitgenössischen Kontext die Uberzeugung
vom Ende der feudalen Ordnung und zielt in ihren gesellschaftlichen Konsequenzen darauf
ab. (Man kann nicht umhin, der späteren Massenwallfahrten auf die Berge zu gedenken,
die zur Entstehung der revolutionären Siedlung Tábor führten.)
Auf Eingreifen einflussreicher Gönner wurde Milič aus dem Kerker entlassen und kehrte
nach Prag zurück. Er macht aber keinerlei Abstriche von seiner kritischen Haltung und
sucht auch weiterhin in jeder erdenklichen Weise nach Wegen zur Besserung. Er beschränkt
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