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Titul
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Slovo úvodem
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Seznam vyobrazení
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Obsah
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Název:
Iohannis Milicii de Cremsir Tres sermones synodales
Autor:
Mráz, Milan; Herold, Vilém
Rok vydání:
1974
Místo vydání:
Praha
Česká národní bibliografie:
Počet stran celkem:
162
Počet stran předmluvy plus obsahu:
162
Obsah:
- 1: Titul
- 5: Slovo úvodem
- 7: Úvod
- 25: Ediční zpráva
- 45: Edice
- 153: Seznam vyobrazení
- 162: Obsah
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Miličs erwarben sie einen Bauplatz, und im Jahre 1394 stand bereits die Bethlehemskapelle,
in der im März 1402 Magister Jan Hus zu predigen beginnt.
Der Samen der Ideen Miličs verwurzelte sich fest. Dies bezeugt auch das erhaltene Werk
Miličs. Noch zu seinen Lebzeiten verbreiteten sich die in seinen Schriften enthaltenen kri-
tischen Gedanken geradezu lawinenartig. Nach einem Bericht des Matěj von Janov liess
Milič, der „dicke Bücher verfasste und eigenhändig niederschrieb“, diese jeden Tag von
auch zweihundert Klerikern abschreiben. Auch nach seinem Tode hörte man nicht auf,
seine Werke abzuschreiben, sie waren in der Hussitenzeit sehr populär und wurden weiter-
verbreitet, weithin über die Grenzen Prags und über das Königreich Böhmen hinaus, so
dass man sie heute in unzähligen Abschriften in Handschriftensammlungen nicht nur in
Böhmen, sondern auch in Polen, Ungarn, Deutschland, Österreich usw. auffinden kann,
(J. Tříška gibt in seiner in Anm. Nr. 43 der Vorrede zitierten Arbeit eine Bestandaufnahme
des Werkes Miličs und seiner erhaltenen Handschriften.)
Aus dieser dargebotenen kurzen Ubersicht über die Lebensschicksale Miličs geht hervor,
dass Predigten und Reden den absoluten Grossteil seines literarischen Werkes bilden. Milič
ordnete schon zu Lebzeiten seine Reden zu gewissen Sammlungen, von denen der Abortivus
und die Gratiae Dei am umfassendsten sind. Miličs meisterhafte Predigten erweckten einer-
seits den Hass jener, gegen die sie sich wandten, und lösten andererseits bei den Anhängern
Milíčs grenzenlose Bewunderung und Hochachtung durch Form und Inhalt aus. (Tomáš
von Štítné nannte sie als erster „feurige Worte“.)
Vom umfangreichen Werk Miličs wurde bisher nur ein unwesentliches Bruchstück heraus-
gegeben (die in Druck erschienenen Werke sind in Anm. Nr. 28, 29, 50, 51 und 52 der Vorrede
zitiert). Nicht einmal die grossen Sammlungen Abortivus und Gratiae Dei, die — ähnlich
wie weitere Werke Miličs — nur in einer Reihe mittelalterlicher handschriftlicher Kodizes
erhalten sind, wurden herausgegeben.
Die Ausgabe der Drei Synodalreden des Jan Milíč von Kremsier soll im Jubiläumsjahr
Miličs einen Beitrag zur Ausweitung der Quellengrundlage und damit auch unserer Kennt-
nisse vom Werk dieses grossen Vorgängers Hussens darstellen. Die Reden „Sacerdotes con-
tempserunt“, „Grex perditus“, „Audite reges“ erweckten schon zur Zeit Miličs ausser-
gewöhnliches Echo und gehörten zu stark abgeschriebenen und verbreiteten Werken. Sie
waren noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts derart im Bewusstsein verankert, dass der deutsche
Rationalist und Herausgeber der Quellen des Konstanzer Konzils Hermann von der Hardt
eine von ihnen unter dem Titel „Sermo I. de corrupto ecclesiae statu saeculo XV.“ in seinem
Werk Historia litteraria reformationis herausgab. (Der Text dieser nunmehr schwer zugängli-
chen Edition ist jedoch an vielen Stellen ungenau und verballhornt.) Die restlichen zwei
Reden, die mit der ersten zusammen gewissermassen ein Ganzes bilden, erschienen bisher
überhaupt nicht und haben sich lediglich in mittelalterlichen Handschriften erhalten.
Diese Reden waren für Prager Synoden vorbereitet. Diese in Prag in der zweiten Hälfte
des 14. und zu Beginn des 15. Jahrhunderts etwa in halbjährigen Intervallen stattfindenden
Versammlungen des Diözesanklerus, die — in einem allerdings beschränkten Reformrahmen
— zur Besserung bestimmter greller Fälle anstössigen Lebens und Verhaltens von Priestern
führen sollten, boten dem Synodalprediger eine willkommene Möglichkeit, kritisch auf diese
Unzulänglichkeiten hinzuweisen. Dabei wurde oft bei solchen Predigten der von der Synode
gesteckte Rahmen weit überschritten, und viele Synodalreden arteten in eine prinzipielle
Kritik der damaligen Kirche und Gesellschaft aus. Milič von Kremsier schafft als erster
bekannter Prager Synodalprediger in diesem Geist eine bestimmte Tradition dieser Reden.
Sie werden in Prag u. a. von Vojtěch Raňkův von Ježov, Matouš von Krakov, Štěpán von
Kolín, Stanislav von Znojmo fortgesetzt und erreichen dann ihren Höhepunkt in der glanz-
vollen kämpferischen Synodalpredigt Magisters Jan Hus aus dem Jahre 1407 „State succinti
lumbos vestros".
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